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Auch am zweiten Wettbewerbsabend war die Kulturscheune bis auf den letzten Platz besetzt. Der junge Poetry-König Julian Heun aus Berlin eröffnete das Kleinkunst-Doppel

mit Gedichten, die sich knallhart an bundesdeutschen Befindlichkeiten abarbeiteten. Nicht minder direkt, wenngleich durch die Klaviermusik etwas charmanter vorgetragen, waren die Alltagsbeobachtungen des Chansonniers Johannes Kirchberg.
“Ich bin unglaublich glücklich hier in Herborn zu sein”, verkündet der junge Berliner Julian Heun, dessen Familie aus der kleineren Bärenstadt stammt. Und so widmete er das erste, seiner insgesamt sechs längern Gedichte seiner Oma, die viel zu sagen hatte, während anderer nur „babbeln“.

Fast philosophisch waren seine Reime, spöttisch, ironisch, gnadenlos direkt. Ein Kurt Tucholsky hätte einen seiner Pseudonyme an Julian Heun abtreten können, der sich mit seiner spitzfindigen Poesie in eine furiose Dichterschlacht stürzte. Nur mit kleinen, fürs Publikum unsichtbaren Spickzetteln bestückt, sprach der Star am Poetry-Himmel laut und klar über das Leben an sich („Das Leben ist nicht lebenswert, nur unbeschwert von Zeit zu Zeit.“), über die Liebe, die „Freakizität“ oder einfach übers Eis essen.
Trotz eingeplanter Lachpausen waren Julian Heuns drastische Texte, die er auch in Dialekten (bayerisch, berlinerisch, sächsisch, deutsch-türkisch) vortrug, nicht wirklich lustig. Obwohl es bei Poetry Slam um Spaß geht, hielt der 21-jährige mit seinem eindrucksvollen, wahrhaft druckvollen Vortrag dagegen. Er sorgte beim Publikum für zeitweilige Sprachlosigkeit ob seines, selbst vor der Preisgabe intimster Dinge nicht zurückschreckenden Vortrags.
„Die Wahrheit liegt auf der Straße, aber niemand legt sich zu ihr“, sprach Julian Heun, der In der Kulturscheune einen wahrhaft starken Eindruck hinterließ.
„Über die Verhältnisse“ und die Verhältnismäßigkeit der die Dinge, die sich im Leben und in der Liebe so ereignen, wusste Johannes Kirchberg, der zweite Wettebewerber des Abends, zu erzählen und zu singen. Charmant, eloquent und überaus sympathisch präsentierte sich der in Hamburg lebende Thüringer Sänger, Pianist und Plauderer mit Liedern, die den Zuhörer in eine Welt entführten, die vor kleinen Boshaftigkeiten, lustigen Gemeinheiten, aber auch vor liebenswerten Schnurren nur so strotzte.

Johannes Kirchberg ließ Radfahrer platt fahren, machte sich über die finanziellen oder politischen Verhältnisse der Deutschen augenzwinkernd her. Das KuSch-Publikum richtete sich schnell in der skurrilen Welt des Entertainers ein, der zu den subtilen Texten von Tom Reichel eingängige Melodien beisteuerte. Augenzwinkernd bekundete Kirchberg, dass er gerne viel zu dick für seine Geliebte wäre, beschwor mit kraftvoller Stimme den „Schwiegervatertag“, der sich am Ende zu einer Mordsballade mauserte.
„Eine neue Putzfrau ist wie ein neues Leben“, verkündet er schmachtend, um sich schließlich doch in seinen Liebesliedern mit Widerharken als kleiner Wurm am Haken wieder zu finden. Ob Johannes Kirchberg wirklich gut über seine Verhältnisse agiert hat, wird die Jury und das Publikum zu befinden haben.
(Text+Fotos: Helmut Blecher)

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