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Eine Premiere erlebten die Besucher der „KuSch“ beim Auftritt von Stephan Bauer. Der Kabarettist und Comedian gastierte erstmals in Herborn und begeisterte mit seinem Programm „Warum heiraten? Leasing tut´s auch“.

Bösen Zungen würden angesichts der Namen des Künstlers und des Auftrittsorts sowie der Tatsache, dass Bauer Witze nicht über, sondern vor allem für das weibliche Publikum macht, mit Sicherheit einige illustre Wortspiele einfallen. Fakt ist, dass der Mann, der sowohl als Kabarettist wie auch als Comedian gehandelt wird, am Abend eher letztere Kategorie bediente. Das jedoch machte er extrem gut.

Ohne große Kulisse, im grauen Jackett, tigerte der 47-Jährige über die Bühne und lieferte ein wirklich gut konzipiertes Programm mit zahlreichen Höhepunkten ab. Die waren nicht selten ein wenig unter der Gürtellinie angesiedelt, allerdings nie so, dass „Fremdschäm-Gefahr“ drohte, sondern immerzu herrlich bissig und mit der nötigen Brise Ironie versehen. Als Leitmotiv dient Bauer die alte Loriot-Weisheit, dass Männer und Frauen einfach nicht zusammen passen und so kommt er zu dem Schluss: „Wer Frauen versteht, kann auch durch Null teilen.“

Der rote Faden, an dem Bauer das Publikum durch den Abend führt, ist seine erste „glückliche“ Beziehung nach sechs Jahren elendigem Single-Daseins. Schon beim ersten Treffen stellten er und die 25-Jährige – „ein echtes Geschoss“ - Gemeinsamkeiten fest, denn beide dachten: „Was für ein Arsch!“. Erst beim zweiten Treffen hat es dann so richtig geknallt – bei einem Autounfall. Seither sind sie ein Paar und Bauer in seiner Rolle als potenter Mitvierziger muss sich nun mit Vor- und Nachteilen einer 20 Jahre jüngeren Frau rumschlagen.

Kein Wunder, dass er sich im Laufe des Abends selbst immer jünger wähnt, denn die Angebetete macht aus dem „großen Bauer“ einen „Fruchtzwerg“. Aber sonst ist Bauer von der Neuen fasziniert, kommt sie doch bei der Nachbarin gut an, gerade weil sie sich oben ohne sonnt und der Gatte nun freiwillig den Rasen mäht. Auch die moderne Kommunikation der „jungen Leute“ mittels Kürzeln und Emojis beeindruckt, erinnert sie den Mittvierziger doch an ägyptische Hieroglyphen: „Da schafft es eine Generation, das Sprachniveau der Menschheit um fünf Jahre zurückzudrehen.“

Dazwischen gab es bei Bauers Auftritt immer wieder schön angelegte Exkursionen zum Un- und Wahnsinn des Alltags. Das biologisch korrekte Oktoberfest mit dem Schlachtruf „O-Saft iss´“ oder die Antwort des Vaters auf die Frage, was denn der Unterschied zwischen Transsexuellen und Transvestiten sei: „Junge, die Transvestiten sind die, die von oben wachsen.“ Wirklich äußerst komisch war schließlich der sehr zotenreiche Ausflug in die Welt der Wellnesshotels, wo alte, sehr reiche Männer mit Goldketten in der Sauna schwitzen.

Bauer konstatierte zu deren Nobelkarossen auf dem Parkplatz: „Je faltiger der Sack, desto glänzender der Lack.“ Die Zuschauer kamen am Abend aus dem Lachen nicht mehr heraus. Dabei war das Programm von Bauer durchweg keine platte Comedy, sondern gepflegter, bisweilen scharfzüngiger und feinsinniger Humor.

Und hier mussten die Gäste durchweg geistig präsent sein, denn nicht alles erschloss sich beim ersten Hinhören. Und nicht selten offenbarte am Abend auch erst das Bild, das vor dem inneren Auge entstand, die eigentliche Komik des Gesagten.

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

 

 

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