Johannes Flöckaaa

Die Herborner Kulturscheune war Schauplatz des zweiten Spieltags der Kabarett-Bundesliga. Die Zuschauer erlebten eine Veranstaltung auf hohem Niveau. Christin Henkel und Johannes Flöck kämpften um die Gunst des Publikums.

Unter unzähligen Bewerbern hatte eine Fachjury 14 Favoriten ausgewählt, von denen nun immer zwei in 13 Städten von Hannover bis Ravensburg und Goslar bis Trier bis Juni 2016 gegeneinander antreten.

Johannes Flöck, 47-jähriger Standup-Comedian aus Köln nahm sich und die älter werdende Menschheit mit teils hintersinnigem Humor kräftig zur Brust. Mit seinem Solo-Programm „Neues vom Altern“ tourt er seit September 2014 sehr erfolgreich durch die Republik und entlockt seinem Publikum schon nach den ersten Sätzen Lachsalven. Der nette, graumelierte Junge hat es faustdick hinter Ohren. „Ich habe kein Problem mit Alkohol, nur ohne wird’s schwierig. Aber ich weiß, dass Alkohol keine Probleme löst, aber Wasser auch nicht“.

Und als er nach dem Unterschied zwischen einem Pitbull und einer Frau auf Diät fragt und sich selbst die Antwort gibt: „Nur ein wenig Lippenstift“, weiß man, woran man bei ihm ist. Nonstop geht es weiter, Flöck ist nicht zu bremsen und das alles ohne den berüchtigten Griff unter die Gürtellinie einzusetzen. Beruhigende Erkenntnisse für alle altersmäßig Fortgeschrittenen: „Ab 30 beginnt das Altsein der Jungen und ab 50 das Jungsein der Alten“.

Seine Rock-Gesangseinlage „Wenn ich der König der Alten wär…“ eröffnet der Comedian mit einem Rundumschlag von der Pharma-Industrie bis hin zu seinen Kollegen aus der Unterhaltungsbranche, „Wenn man Granufink mit Wodka gemischt trinkt, hört sich das an wie Udo Lindenberg“. Einfach eine Klasse für sich, der Mann.

Moderator Frank Mignon leitet den zweiten Teil des Abends mit dem Stück „Bitte geh nicht vor dem Ende“ ein. Dann wird’s spannend. Ist der Meisterschaftsanwärter noch zu toppen? Ein tiefes Durchatmen, besonders bei den Herren ist zu vernehmen. Eine schöne, junge Frau mit einer Traumfigur taucht fast aus dem Nichts auf und vereinnahmt den Flügel. Die Erfinderin des Kla-Ka-Son, des Klavier-kabarettistischen-Chansons, Christin Henkel, will ebenfalls um den Meisterschaftstitel kämpfen.

Was sie zu bieten hat, ist Musik-Kabarett vom allerfeinsten. Mit verträumten Lächeln und virtuosen Fingerspiel greift sie sich offensichtlich Banales und bringt es zugespitzt auf den Punkt. So karikiert sie zum Beispiel eines ihrer Klassentreffen, nicht ohne auch sich einer lustig-komischen Würdigung zu unterziehen. Sehr sympathisch und hintersinnig - kritisch auch die Geschichte von Kathi, der ein Beauty-Chirurg aus Versehen Hirn spritzte. „Jetzt ist sie schlau wie Sau“, intonierte Henkel mit unschuldigem Augenaufschlag.

Sie habe ja auch gar nichts gegen Helene Fischer. „Die kann singen, tanzen und sieht sehr gut aus. Sie hat nur einen ganz beschissenen Männergeschmack.“ Ihren Sommerhit hat die gelernte Komponistin und gebürtige Thüringerin ebenfalls gleich mitgebracht. „Den kennen sie nicht“? Tiefes Schweigen im Saal. „Ja, das ist ja auch mein Problem“. Unverdrossen haut sie dennoch in die Tasten „Wann holt sich Putin Sachsen-Anhalt, die Truppenübungsplätze sind noch da“.

Der „Burnout vom Surflehrer Klaus“ reiht sich ein in eine ganze Folge von Gesangsstücken, denen der intellektuelle Touch ebenso wenig abzusprechen ist, wie eine dicke Portion Klamauk. Christin Henkel beherrscht ihr Metier und die KuSch-Besucher hatten ein Problem. Viele gaben jedem der beiden Künstler die gleichen Punkte. Aber nicht alle.

Am Ende hatte Johannes Flöck mit 51,5 Prozent die Nase vorne, als „Verliererin“ musste sich Christin Henkel dennoch nicht sehen. Am 10. Dezember geht’s mit Roger Stein und Schwester Cordula weiter in der KuSch im Ringen um die Deutsche Kabarettmeisterschaft
(Zusätzliche Fotos: Andreas Rühl)

 

 

 
Autor
Siegfried Gerdau

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Seit 2005 arbeitet Siegfried Gerdau (sig) für die im heimischen Raum erscheinenden Tageszeitungen als Freier Journalist. Daneben agiert er als Fotograf für Industrieunternehmen und Privat-Kunden.
 

 

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