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Herborn. Es ist angerichtet: Die ersten beiden “Schlumpewecken”, die die Macher der Herborner Kulturscheune am Montagabend servierten,

haben dem Publik in der fast bis auf den letzten Platz besetzten Kusch hervorragend gemundet. Und das, obwohl sie sehr unterschiedliche Zutaten hatten.

Jörg Michael Simmer, Vorsitzender des Vereins Herborner Heimatspiele, der in dieser Woche zum vierten Mal den Kleinkunstpreis “Schlumpeweck” auslobt, präsentierte den Besuchern in der Kulturscheune zwei Künstler sehr unterschiedlicher Genres. Und bereits hier zeigte sich, dass die “Schlumpeweck”-Abonnenten, die am Ende des Wettbewerbes am Freitag über die Vergabe des Publikumspreises entscheiden, keine leichte Aufgabe haben.

Das allerdings sei durchaus beabsichtigt. “Wir wollen Ihnen das große Feld der kleinen Kunst vorstellen”, machte Simmer gleich zu Beginn den Kleinkunst-Freunden deutlich. Mit den beiden Ruhrpott-Poeten “Liederfee” alias Felicitas Badenius und Peter Frohleiks ist das den Kleinkunstschaffenden der Kulturscheune zweifellos gelungen.

Denn unterschiedlicher könnten die Formate kaum sein, als die, die die Wahl-Wittenerin und der nach Köln ausgewanderte Essener besetzen. Während die Waldorf-Pädagogin “Liederfee” zur Gitarre in meist stillen Tönen über ihre Beziehungskisten mit Männern und Katern philosophierte, kam der studierte Diplom-Sportlehrer dem Publikum bei seinen Betrachtungen der kleinen privaten und der großen gesellschaftlichen Welt nicht selten kraftvoll und lautstark.

Doch trotz – oder gerade wegen – der leisen Töne verstand es Felicitas Badenius, das Publikum mitzureißen. Nicht alleine der donnernde Applaus, den die Sängerin am Ende ihres knapp einstündigen Auftritts einheimste, war Beleg dafür. Wenn sie Männer über vitaminreiches Obst und Gemüse oder über kalorienreiche Sahneschnitten und Dampfnudeln definierte, zeigten lautstarke Lacher in Alt und Sopran, dass sie damit vor allem den Nerv der Frauen im Publikum getroffen hatte.

Gesungene “Gefühlsduselei” paart die Liederfee mit schwarzem Humor. Wenn sie beispielsweise ihrer Wahl-Heimatstadt Witten in einer ironischen Hommage attestiert, dass diese “Dreck unter den Nägeln” hat und dass sich an der Ruhr “Hartz auf schwarz reimt”. Sich selbst bescheinigte sie, sich selbst die einzige Freundin und ein Schmetterling zu sein, der sich zur Motte verpuppt. “Zur falschen Zeit. Im falschen Kleid.”

Doch alle ernsthaften Versuche, die Schuld für gescheiterte Beziehungen “nicht immer nur bei mir selbst zu suchen”, seien angesichts der immer wieder mangelhaften Ausstattung der in Frage kommenden Männer ins Leere gelaufen.

Die Wärme, die ihr zu Beginn entgegen geschlagen sei und zur Verstimmung einer Saite ihrer Klampfe geführt habe, artikulierte sich am Ende ihres Auftrittes in tosendem Beifall. Zumindest für einen großen Teil des Publikums trat vor der Pause schon eine gefühlte Schlumpeweck-Preisträgerin von der Bühne der Kusch ab. Vorerst zumindest.

Ganz andere künstlerische Mittel standen Peter Frohleiks nach der Pause zur Verfügung. Der Wahl-Kölner präsentierte dem Publikum als Bühne ein Bügelbrett. Dass sich von diesem Haushaltsgerät, das inzwischen zum Markenzeichen des 46-jährigen gelernten Sportlehrers und Sozialpädagogen geworden ist, die Welt ganz anders betrachten lässt, demonstrierte er auf vielfältige Weise.

So mutierte das Bügelbrett zum Turngerät, auf dem der Kabarettist nicht nur seine rhetorische, sondern auch physische Fitness demonstrierte. Und wenn ein Mann sich einem solchen Gerät so intensiv widmet, kann es nicht einfach ein normales Modell aus dem Baumarkt sein. Als rede er von einem Auto,  demonstrierte Frohleiks den Besuchern die zahlreichen Extras und Nachrüstungen, die es zu dem machten, was es ist: Eine Bühne im Kleinen.

Und die ist multifunktional nutzbar: Mal als politische Bühne für Angela Merkel, die sich aktuell wohl sorge, “dass der Vatikanstaat pleitegeht.” Dann wieder als Rodelschlitten, mit dem der kleine Frohleiks – damals –  von der Schlackenhalde zu Tal rast oder als Tresen, an dem ein vierköpfiger und multi-dialektischer Sachverständigenrat beim “Pilsken” die Welt erklärt. Im Kleinen wie im Großen.

So sinniert Frohleiks darüber, dass angesichts der sozialen wie ökologischen Veränderungen irgendwann einmal aus Rentnern Strom gewonnen werden muss oder besingt als Herman van Veen das im steigenden Meeresspiegel versinkende Holland. Mit weitreichenden Folgen für uns Deutsche. Den Italienern bescheinigt er, irre zu sei. Schließlich hätten sie drei Mal ihren Anstaltsleiter Berluscconi gewählt. Und zweifelt am Sinn des Lebens, weil er sich daran selbst nicht beteiligt sieht.

Natürlich geht auch an einem Peter Frohleiks die Akademiker-Diskussion der vergangenen sechs Monate nicht vorbei. Die öffentliche Debatte um zu Guttenberg und Koch-Mehrin habe den Deutschen den Eindruck vermittelt: “Wir sind Doktor – gewesen.” Frohleiks gelangt  final zu der Erkenntnis, “dass die Depressiven die eigentlich Gesunden sind”. Und dass Selbsttäuschung ein Erfolgsrezept ist.
Zum Ende der ersten der vier Schlumpeweck-Runden hoffte Jörg Michael Simmer sicher zu Recht, dass “die Vorstellungen Lust auf mehr gemacht haben”. Und der Applaus bestätigte: So kann es an den nächsten drei Abenden weitergehen.

INFOBOX

Mit dem Wettbewerb um den “Herborner Schlumpeweck” geht es am heutigen Mittwoch weiter.
Ab 20 Uhr treten John Doyle und “Die Mimusen” auf die Bühne.
Es folgen am Freitag zur gleichen Zeit “Magic Udo” und “Wortfront”
Am Sonntagabend werden in der Kulturscheune die Preise sowohl der Jury als auch des Publikums verliehen.
In diesem Rahmen zeigen die Künstler Ausschnitte aus ihren Programme. (uhk)

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Auf diesem YouTube-Kanal berichten wir über Künstler, die auf unserer Kleinkunstbühne in Herborn auftreten.

Schlumpe­weck

Die KulturScheune Herborn lädt in Verbindung mit dem Stadtmarketing, der Sparkasse Dillenburg, der Firma Rittal sowie der Friedhelm-Loh-Group zur Teilnahme am Wettbewerb um den Herborner Klein­kunstpreis "Schlumpeweck" ein.

KulturScheune Herborn - Herborner Heimatspiele e.V.      Austraße 87     35745 Herborn