Schlumpeweck 017

John Doyle und Die Mimusen boten witzige Nettigkeiten und geniale pantomimische Clownerie


Herborn (hel). Ein Amerikaner in Deutschland, der mit seinem Deutschsein kokettiert und zwei Berliner Pantomimen, die mit perfekter Körperbeherrschung und musischer Feinkunst fantastisches Bühnenkino zeigten, brachten am Mittwochabend das Publikum in der Kulturscheune in Stimmung. Im Wettbewerb um den 4. Herborner Kleinkunstpreis erwiesen sich aber nur Die Mimusen als heiße Anwärter auf den „Schlumpeweck“.

 Ein Amerikaner, der seit 20 Jahren in Deutschland lebt, ist eigentlich nichts Besonderes. John Doyle hat aus diesem Umstand einen Beruf gemacht. Er erklärt seinen Landsleuten und den Deutschen, was es bedeutet unter Deutschen zu leben, und den Deutschen die Besonderheiten des Deutschseins. Dass so etwas witzig, ja höchst kurios sein kann, demonstrierte der Amerikaner aus Köln auch in Herborn.

 Man kennt ihn von seinen Auftritten bei „Nightwash“ und dem „Quatsch Comedy Club“. Und auch in der KuSch lacht man über seine witzigen Erlebnisse und aufschlussreichen Erkenntnisse im Land der Dichter und Denker. Als Kleinkunstpreisaspiranten kann man sich den Deuter deutscher Wortklaubereien allerdings weniger vorstellen. Dafür erwies sich John Doyle in Herborn als ein zu eindimensionaler Stand Up Comedian, um wirklich preiswürdig zu sein. Sympathisch war seine Ausstrahlung, perfekt sein Deutsch. Aber was war sein Programm, wo seine Botschaft? Doyle nicht. Eine Stunde lang hatte man das Gefühl, wann geht’s endlich los.

 Das richtige Verständnis im Umgang mit den Missverständnissen und Doppeldeutigkeiten, die die deutsche Sprache für Ausländer und auch für Deutsche bereithält, ist das Geschäft des John Doyle. Aus der Direktheit der Deutschen bezieht der Amerikaner den Stoff für seine Scherze, wenn er beispielsweise beim Anblick von nackten Volleyballspielern nicht an Sex, sondern an die Gesetze der Schwerkraft denkt. Oder wenn er erklärt, was es ihm einbrächte würde, wenn er in Amerika einen „Strammen Max mit zwei Eiern“ bestellen würde: Gefängnis.

 John Doyles Wortspielereien sind nett und witzig, lassen uns Deutsche manchmal am Sinn unserer eigenen Sprachschöpfungen zweifeln. Für den großen Wurf in Sachen Kleinkunst reicht es bei ihm aber nicht. Immerhin konnte er mit dem kürzesten Wort in seiner Show den längsten Lacher erzielen, als er den Unterschied zwischen einer umständlichen amerikanischen Begrüßungsformel mit einem knappen deutschen „Na!“ erklärte.    

 Denkt man an Pantomime, drängen sich einem Marcel Marceau und die regungslosen Masken in den Fußgängerzonen auf. Dass es auch anders – wenngleich wortlos – geht, vermittelten Die Mimusen aus Berlin, die sich– bewertet man die begeisterte Rektion des Publikums auf ihren Auftritt in der KuSch  –  als heiße Anwärter auf einen Schlumpeweck erwiesen

 Mit unglaublicher Präzision übten sich Klaus Franz und Marc Bockemühl auf der Bühne irgendwo zwischen Buster Keaton und Jacques Tati, zwischen Pantomime und Slapstick. Ob im Duett mit Gitarre und singender Säge oder als Solisten, die Brillanz, die Die Mimusen dabei an den Tag legten, ließ einen nur Staunen. Mit poetischen Humor und fein gedrechselter Musikalität brachten sie eine neue Art der visuellen Comedy auf die Bühne, die zwischen Stummfilm-Groteske und Michael Jacksons „Moonwalk“ alles aufbot, was Mimik und Körperbeherrschung hergaben.

 Die sprichwörtliche Schlagzeile, der Ausflug in die Lüften oder ihre „herzzerreißende“ Interpretation des Klassikers „Frankenstein“ waren schiere Poesie. Die Art und Weise wie Die Mimusen stimmungsvolle Geschichten – mal in Zeitlupe, mal in rasantem Tempo – aufs Parkett zauberten, das hatte in der Tat etwas Zauberhaftes an sich.

 Als sie sich mit der Melodie von „Guten Abend, gut’ Nacht“  verabschiedeten, ging zwar auf der Bühne das Licht aus, beim Publikum aber selbiges an. Einfach toll!

Der Amerikaner John Doyle erklärte den Herbornern wie es ist, sich als Deutscher zu fühlen.

 Die Doppeldeutigkeit der deutschen Sprache definierte John Doyle mit eindeutig witzigen Repliken.

Mit perfekter Körperbeherrschung und viel Gespür fürs Dramatische begeisterten Die Mimusen das KuSch-Publikum.

Ob als Musiker, Herzspezialisten oder als Flieger zeigten sich die Mimusen pantomimisch absolut auf der Höhe.

Fotos. Helmut Blecher

kbl2014

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Schlumpe­weck

Die KulturScheune Herborn lädt in Verbindung mit dem Stadtmarketing, der Sparkasse Dillenburg, der Firma Rittal sowie der Friedhelm-Loh-Group zur Teilnahme am Wettbewerb um den Herborner Klein­kunstpreis "Schlumpeweck" ein.

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