Schlumpeweck-III-089

Wahre Kleinkunst und große Poesie in Liedprosa
Magic Udo und Wortfront rundeten den Wettbewerb um den Herborner „Schlumpeweck“ gelungen ab

 Herborn (hel). Die Bewerber um den vierten Herborner “Schlumpeweck” sind durch. Die Jury und das Publikum haben abgestimmt. Keine leichte Wahl, denn so komplett unterschiedlich wie diesmal, ging es in den vorherigen Jahren nicht zu. Mit dem feurigen Magic Udo aus Bad Münstereifel und der Berliner Formation Wortfront präsentierten sich am letzten Wettbewerbsabend ein wahrer Kleinkünstler und eine wortgewandte Sängern, die gekonnt Klassik mit Pop, Chanson und HipHop zu verbinden wusste.

 Fürwahr ein Großraumillusionist ist Magic Udo, der beseelt ist von dem Traum einmal in Las Vegas aufzutreten. Auf den Weg dorthin, machte der Siegfried & Roy aus Bad Münstereifel am Freitagabend in der kleinen Kulturscheune Station. Tiger und Elefanten konnte der schrille Udo, der mit gesteiftem Haar-Pürzel, Glitzerweste und Kassengestell die Bühne betrat, zwar nicht verschwinden lassen, weil keine vorhanden, ansonsten aber ließ seine Show keine Wünsche offen. Seine Zauberutensilien und sein Entertainer-Outfit, das Magic Udo von seinem Großvater übernommen hat, gaben der fulminanten Wucht seiner Show, die er zuvor schon erfolgreich in Altenheimen und Kindergärten erprobt hatte, zusätzliches Esprit.

 Wer den Film „Funny Bones – Tödliche Scherze“ kennt und liebt, wer auf wahre Kleinkunst mit kuriosen Witz und köstlicher Verrücktheit goutiert, wurde von Magic Udos Kuriositätenkabinett bestens bedient.

 Herrlich geschmacklos war sein Äußeres („wer so aussieht wie ich, muss zaubern können, um bei den Mädels zu landen“). Unglaublich Balla Balla waren die von ihm vorgetragenen Geschichten und Witzigkeiten aus seinem Leben. Völlig Gaga waren die Zauberkunststücke, die der Bursche aus der Eifel zum Besten gab. Rote Tücher verschwanden im Nichts, Silberkugeln balancierten auf Tüchern, Tische schwebten, lebensechte Brieftauben, die er in einem A4-Umschlag per Post zugeschickt bekam, erhoben sich in die Lüfte. Und seine nicht nur mit dem Mund aufgeblasenen Luftballons verwandelten sich in Pudel und Spermien oder – Mangels Puste – in Regenwürmer. Auch als Tänzer, im Stil eines DJ Bobo, beglückte Magic Udo die staunenden Zuschauerschar, die wie Doris, die er Ute nannte, willig auf die Bühne eilten, um ihm bei seinen brandheißen Tricks zu assistieren.

 Ausgestattet mit dem unbändigen Temperament eines Pandas, ließ Magic Udo seine unglaublich dilettantischen Zauberkunststücke vom Stapel, die so manchen am Sinn und Zweck seiner Schau zweifeln ließen. Doch wer ein Herz für die kleine, schrille, schräge, stets daneben wirkende Kleinkunst hat, die Magic Udo mit jeder Menge britischem Humor garnierte, konnte sich von den herrlich blöden Zaubereien das Burschen aus der Eifel nur beglückt fühlen.

 Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, ist die Sängerin der Berliner Band Wortfront doch die Tochter von Georg Kreisler und Topsy Küppers. Mit ihrer schönen und facettenreichen Stimme kommt sie den massenuntauglichen weil stets gegen die Massenverblödung ansingenden Liedern ihres Vaters sehr nahe. Ideal ist ihre Stimme für die kleinen Geschichten und Bilder, die sie in ihren eigenen Liedern ausbreitet. Mit ihrem kongenialen Partner, dem Schweizer Songschreiber und Pianisten Roger Stein, bildet sie den Kern von Wortfront, die verstärkt durch drei Musiker (Schlagzeug, Cello, Geige) in der KuSch ein Konzert der etwas anderen Art offerierten.

 Mögen sie trotz Preis der deutschen Schallplattenkritik noch immer ein Geheimtipp sein. In Herborn sind sie es seit Freitagabend nicht mehr, schließlich sind die Qualität ihrer Musik und ihrer Texte unübertrefflich gut. Ihre unmittelbare Präsenz, insbesondere die der literarischen Chanteuse Sandra Kreisler, die es verstand Liedern wie „Kein Beweis“, „Beifahrer der Belanglosigkeit oder „Postmodernes Arschloch“ Körper und Kraft zu verleihen, stieß beim KuSch-Publikum auf offene Ohren.

 Wortfront präsentiert seinen Kammermusikpop mit Humor und Scharfsinn, mit Nachdenklichkeit und zeitgeistiger Gelassenheit. „Man kann von vielem Leben, doch sicher nicht von Poesie“, singt Roger Stein, und man schenkt dieser Aussage keinen Glauben. Die Wortfront-Worte leben, offenbaren jede Menge Poesie und manchmal auch etwas Pathos. Sie verführen, verletzten und verbinden. Ihre Lieder, die wider die Belanglosigkeit gerichtet sind, erreichen die Zuhörer. In Herborn hat man die „Freilandherzen“ von Wortfront ins Herz geschlossen – ob mit oder ohne „Schlumpeweck“.

kbl2014

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Auf diesem YouTube-Kanal berichten wir über Künstler, die auf unserer Kleinkunstbühne in Herborn auftreten.

Schlumpe­weck

Die KulturScheune Herborn lädt in Verbindung mit dem Stadtmarketing, der Sparkasse Dillenburg, der Firma Rittal sowie der Friedhelm-Loh-Group zur Teilnahme am Wettbewerb um den Herborner Klein­kunstpreis "Schlumpeweck" ein.

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