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Wortgewandte Poeten haben mit ihren insgesamt wirklich sehr guten Texten dem Publikum in der Herborner „Kulturscheune“ („KuSch“) einen Poetry-Slam geliefert, der noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.

Und so fiel die Wahl eines Siegers am Ende definitiv schwer. Nachdem die Moderatoren Sascha Kirchhoff und Marco Michalzik den Ablauf erklärt hatten, gab es den ersten Text, der nachhaltig beeindruckte. Zum Aufwärmen trug Kirchhoff - außer Konkurrenz - einen Text aus dem neuen Buch „Stimmgeber“ vor, das er zusammen mit anderen Slammern und Flüchtlingen im Rahmen einer Projektarbeit herausgegeben hat. „Eine Bootsfahrt die ist lustig“ hieß dieser, und viele Gäste bedauerten, dass er nicht zur Wertung stand.

Marco Müller (Darmstadt) hingegen trat beim Dichterwettstreit an. Er bekam für seinen Text zur Frage „Warum Möhren nicht gut für die Augen sind – wenn sie drinstecken“ von der Jury 21 Punkte. Björn Rosenbaum aus Dortmund widmete sich in „Man, man, man“ dem weltmännischen Dauerversagen und irrte dabei verbal ein wenig um den Hamburger Hauptbahnhof herum. Für den dennoch soliden und oftmals witzigen Beitrag gab es 20 Punkte. Der Siegener Tristan Kunkel dachte über die jährlich wiederkehrenden Standardthemen in Zeitungen nach. Bissig und mit wahrem Kern war das den Juroren immerhin 22 Punkte wert.

Wie Kunkel in Runde drei stritten Jan Schmidt (mit einer Exkursion zum Wahnsinn vor Prüfungen, für die es 27 Punkte gab) und Eric Janssen aus Aachen um den Einzug ins Finale. Janssen (27 Punkte) kam mit „Beerdigung“, einem Text über den letzten Besuch bei seiner Oma, der weitaus lustiger war als erwartet, ins Finale. Runde zwei bestritten neben Rosenbaum zwei weitere Dortmunder. Svenja Gräven (23 Punkte) übte Kritik an den postmodernen und sich als open-minded bezeichnenden „Pseudo-Kreativen“, die hinter ihrem Künstlertum mehr Faulheit als Genie versteckten und endlich „ehrliche Arbeit abliefern sollten“. Es wurde nicht ganz klar, ob dieses wirklich gut gemachte Plädoyer ernst gemeint oder vielmehr eine Satire auf die gängige Künstlerkritik war.

Wie auch immer – es steckten viele amüsante „Wahrheiten“ darin. Rainer Holl (26 Punkte) begeisterte dagegen mit einem dichterischen Trauermarsch für die Halbglatze. „Dieter“, sein persönlicher „Traumaverarbeitungstext“ offenbarte, dass die „fetten Haare vorbei sind“ und Holl gestand: „Wenn es um Haare geht, da kämm´ ich nichts.“ Die Ungerechtigkeit des Losglücks traf am Abend vor allem Jean Ricon (27 Punkte) aus Frankfurt, der ein „wildes Pamphlet“ gegen modische Schrägheit und schräge Mode vortrug und dabei zum Schluss kam, dass „jeder sich selbst ein Genie ist“. Der Text mit kongenialem Spannungsbogen und einer tollen Performance hätte bei 27 Punkten den Einzug ins Finale verdient gehabt.

Ricon musste sich aber knapp Samuel Kramer aus Offenbach geschlagen geben. Der Nachwuchs-Slammer präsentierte mit viel darstellerischem Esprit eine Mischung aus „politischem Gedicht, Gesetzestext und Dschungelbuch. „Reinlichkeit und Brecht und Freizeit“ faszinierte nicht nur durch Wortgewandtheit auf sehr hohem Sprachniveau, sondern durch eine Kombination aus kreativen Bildern, rhetorischen Figuren, einer Brise Philosophie sowie viel intelligentem Witz, mit dem Kramer das Publikum am Schluss kollektiv zum „ewigen Nachdenken auf Bewährung“ verurteilte. Mit 28 Punkten zog er ins Finale ein.

Dort landete er mit einem fast schon surrealen Text, der die Frage nach Realität und Dichtung stellte, die Grenzen des Realen dabei aber verschwimmen ließ, auf Platz drei. Definitiv war dieser Text Kunst und Samuel Kramer zeigte, dass er dichterisch das Zeug zu Großem hat. Platz zwei sicherte sich Eric Janssen mit einer Reise, die vom Opa zum Mettfanatiker führte. Der Mettfreund versammelt sich Mettwochs in seiner mettodistischen Gemeinde vor dem Mettigel auf goldenem Grund und betet den Messias der Fleischjünger Mett Damon an.

Den Sieg holte schließlich Rainer Holl mit einer „Achtsamkeitsstudie“. Ist bewusstes Ein- und Ausatmen der Schlüssel, um das Leben auch in der überfüllten S1 in vollen Zügen zu genießen, oder doch die Kombination aus RTL, Rohypnol und Ritalin? Egal, das Publikum klatschte Holl zum Sieg, den diesmal fast alle Teilnehmer verdient hätten.

Richtig gut und sehr berührend waren auch beim achten Scheunenslam wieder die Texte, die Schüler der Rehbergschule beisteuerten, und die von Schülerinnen des Johanneum-Gymnasiums vorgetragen wurden.

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

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