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Große Kleinkunst mit vielen Bällen und einem Nähkasten samt Utensilien, bot der Clown Calvero, der sich als Poet des Schweigens in Herborn präsentierte.

Von ganz anderem Kaliber war dagegen der aus Mülheim stammende René Steinberg, der neben seine Radio Comedy auf WDR 2 und 1LIVE inzwischen auch erfolgreich die Kleinkunstbühnen der Republik bespielt. Mit Ausschnitten aus seinem aktuellen Programm „Wer lacht, zeigt Zähne“, traf er am zweiten Wettbewerbsabwend des Herborner Schlumpeweck die Lachnerven des Publikums in der abermals ausverkauften Kulturscheune.

Hat der klassische Clown mit roter Knollennase überhaupt noch – über Kindergeburtstage hinaus – eine Berechtigung, die Menschen mit leichten Dingen, die ihm schwer fallen, zu beglücken? Calvero hat sie. Der Perfektionist des gelegentlichen Scheiterns zeigte bei seiner Schau der leisen Töne, dass er mit liebenswerter Komik, großer Jonglierkunst und genialer Akrobatik in der Lage war, das Publikum in seinen Bann ziehen kann.

Spektakuläre Späße, die zu Lachtränen animierten, präsentierte Calvero nicht, doch die  Melancholie, die große Clowns wie Charlie Chaplin oder Buster Keaton auszeichnete, haftete seinen  Gesichtszügen nur selten an. Dieser kleine Clown, der aus seinem großen Koffer all das hervorzauberte, was man benötigte, um in halsbrecherischen Aktionen mit fünf, sechs und sogar sieben Bällen zu jonglieren. Nicht nur mit den Händen, auch mit dem Kopf und den Füßen bot Calvero große Kleinkunst voller Anmut und stiller Poesie, die er nur einmal durch einen Aufschrei des Seufzers durchbrach.

Sinnlich war seine nonverbale Zungenbalance, einmalig sein Handstand mit Fingerhüten, köstlich sein Stepptanz auf einem Koffer. Calvero ließ ein Schirmorchester zwischen Himmel und Erde schweben und verlieh sich selbst mittels eines ausgeklappten Nähkastens Flügel. Mit der eleganten Leichtigkeit eines Balletttänzers tanzte er über die KuSch-Bühne, begleitet von Melodien von Jacques Brel und Louis Armstrong. Fernab jeglicher Banalität bot Calvero geistreiche Clownerie, die dennoch im großen Kleinkunstbetrieb hinter derber Comedy zurückstehen muss.

René Steinberg ist einer jener Vertreter, die es verstehen, sich mit Hoppla-jetzt-komm-Ich-Nonchalance in Szene zu setzen – und zu gewinnen. Der studierte Literaturwissenschaftler zeigte dem Herborner Publikum lachend die Zähne und allen Nörglern und Jammerlappen die Rote Karte. Nicht nur im Schnellsprechtempo, auch singend und tanzend, hangelte sich der Ruhrpott-Comedian durch den ewigen Kampf der Geschlechter, die Griechenlandpleite und die Ignoranz und Dummheit der Politiker.

 Bei seiner Jagd von Pointe zu Pointe auf der Überholspur bediente Steinberger sämtliche Klischees. Statt feiner Ironie gab‘s herzhafte Witzigkeit. Immerhin, der Mann beherrscht das schwere Handwerk der leichten Unterhaltung, wie auch die Klassiker der Weltliteratur. Forsch stellte er einen dynamischen „Hamlet“ und einen unbekümmert gegen Windmühlen fechtenden „Don Quixote“ dem nach verbeamteter Sicherheit strebenden „Faust“ entgegen, der statt „Juchhe und Juchhei“ nur Jammerei zu bieten hat: „Der ist ja ein Ossi!“

René Steinberg ließ schelmische „Spässekens“ vom Stapel, indem er im O-Ton Nachrichtensprecher Versprecher und Politiker falsche Versprechungen aufsagen ließ. Seine Parodien hingegen waren nur mäßig witzig und schon gar nicht originell. Sein Sächsisch war unterirdisch. Seine Grönemeyer-, Lindenberg- und Til Schweiger-Nuscheleien waren wie die aller Comedians abgedroschen und gehören endlich in die Comedey-Klamottenkiste verbannt.

Mit einem herrlichen Nörgel-Blues und dem „Schmus am See“, in dem er die Fressattacken von Reiner Calmund persifliert, zeigte Steinberg dann wieder sein großes Arsenal an Spielmöglichkeiten in Sachen Stand-Up, Gedichte, Lieder und Sketche. Mit tosendem Applaus wurde sein Auftritt in der KuSch bedacht.

(Fotos: Helmut Blecher + Gert Fabritius)

 

 

 

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