Weltkritik-2aa

 

Zwei heiße Aspiranten auf den Schlumpeweck – sowohl für die Jury als auch fürs Publikum – waren die beiden letzten Kandidaten im Wettbewerb. Klaus Kohler zeigte,

wie man das Genre des Klavierkabaretts mit Esprit und Witz aufmischt, während das Leipziger Ensemble Weltkritik, die Welt und ihren großen und kleinen Befindlichkeiten mit messerscharfer Ironie und bitterbösem Sarkasmus zerlegte.

 Chopin und Mozart, Udo Jürgens und Richard Clayderman beherrscht der beflügelte und befrackte Klaus Kohler ebenso vorzüglich wie die spitze Zunge eines Georg Kreislers und eines Karl Valentins. Salopp und locker, charmant und beflügelt, so war der Auftritt des Münchners, der am Freitagabend die letzte Runde im Wettbewerb um den Herborner Kleinkunstpreis eröffnete. Fernab jeder dampfplaudernder Derbheit und  poetisch-philosophischer Klavierklimperei, gab Klaus Kohler sich als Protagonist für die Dinge, auf die es im Leben wirklich ankommt: die Liebe, Fußball und Gott.

 Kohler machte weder vor Tod und Teufel halt, gab bei seinem flotten Ritt durch sein Programm „Der beflügelte Mann“ wechselweise den Frauenversteher und den Macho, den liebestollen Loser und rücksichtslosen Gattinnenzersäger. „Im so down wegen der Fraun, downer goes it’s kaum“, sang er mit melancholischer Stimme in seinem Lied für alle Würstchen dieser Welt. Als „Baggerman“ rappte er sich mit Lederjacke und Sonnenbrille an die Frauen ran: „I’m the one, auf den alle abfahr’n. I’m the Watzmann, mach Platz Mann.“

 Mit der Eleganz eines Horowitz gab Klaus Kohler – was die Tasten hergaben – den klassischen Pianisten, den er ebenso parodistisch zerlegte wie Konstantin Wecker.

 Die ganze Bühne wurde zum Spielfeld für den Bayern, der mit verschmitztem Mienenspiel zu musikalischen, sportlichen und erotischen Höchstleistungen auflief. Von der Geburt bis zum Tod, deren Abfolge er auch rückwärts abspulte, reichte das herrlich böse Panoptikum das Lebens, in dem das Liebesleid eine besondere Rolle einnimmt, wie in seine von Wolfsgeheul begleite Ode an „Jacqueline“ und dem langsamsten Liebeslied für die Frauen („Er kam, sah und sägte“) .

 Dass auch nach dem Tod noch lange nicht alles vorbei ist, offenbarte der Münchner, der bei seiner Ankunft im Himmel feststellt, dass Gott ein Bayer ist, der sich  – wie im irdischen Leben – über das flippige Auftreten seines Sohns beklagt: „Der soll doch einmal das Geschäft übernehmen!“

 Klaus Kohlers humoristisches Panoptikum zwischen Himmel und Hölle war ganz große Kleinkunst. Seine Version von Georg Kreislers „Opernboogie“ oder sein jedes Torgestänge zum Einsturz bringendes „Klavierfußballspiel“ waren einfach toll. Besser geht Musiktheater nicht.

 Auf der Suche nach ihrer verlorenen Freizeit betrat anschließend das Leipziger Ensemble Weltkritik die Kusch-Bühne. Animiert von ihrem Arbeitsagentur-Sachbearbeiter, Herrn Pöltniz, erwiesen sie sich als unerbittlich-optimistische Motivationstrainer, die dem Herborner Publikum zeigten, wie man sich die Wege zum Erfolg ebnet. Und erfolgreich, obwohl sie als Sachsen Ablehnung gewöhnt sind, ist das Kabarett-Duo in der Republik. Bettina Prokert und Maxim Hofmann, die als arbeitslose Jungakademiker Silke Sumpf-Pretsch und Thomas Lühmlich genötigt werden im Rahmen einer AB-Maßnahme als Kabarettensemble aufzutreten. Höchst ausgeschlafen präsentierten sie sich als intelligente und improvisationsstarke Kabarettfachkräfte, die mit musikalischen Einlagen die noch vorhandenen Trennungslinien zwischen Ost und West genussvoll weghobelten.

 „Wir bleiben nicht lange hier“, erklärte Maxim Hofmann, der u.a. auf die leidige Nummernschildgeschichte zwischen Leipzig und dem Lahn-Dill-Kreise anspielte. Dem in Sachen Herboner Lokalkolorit bestens informierten Duo verzieh man einfach alles, schließlich sorgten sie mit ihren geistreichen Bemerkungen über das Politpersonal oder den minutiös geplanten Umgang mit der Arbeitslosigkeit für Tränen der Heiterkeit. Ein Brüller war ihre Rückschau auf die Fußball-EM („das ist ein Racker, der Mertesacker“) oder ihre in Brecht‘scher Manier aufbereitete Begegnung zwischen einer Nordukrainischen Prostituierten und einem Bayern: „Na Tascha! Ich bin doch keine Prastititierte. Na, ich zahl ja auch nicht.“ 

Das Kommen in die KuSch hat sich für das Publikum ausgezahlt. So bissig, so verschmitzt und so gestenreich hat man junges Kabarett schon lange nicht mehr erlebt. Wie Klaus Kohler wünscht man sich, sie bei der Preisverleihung am Sonntagabend wiederzusehen.

(Fotos: Helmut Blecher + Gert Fabritius)

 

 

 

kbl2014

Dauerkarte Deutsche Kabarettmeisterschaft
Sie können Ihre Dauerkarte auch nach Beginn der Kabarettmeisterschaft kaufen.
Das Ticketsystem stellt Ihnen die verfügbaren Tickets zusammen und berechnet Ihren Preis.

Ticket 1. SpieltagTicket 2. SpieltagTicket 3. SpieltagTicket 4. SpieltagTicket 5. SpieltagTicket 6. SpieltagTicket 7. Spieltag

KuSch TV

Auf diesem YouTube-Kanal berichten wir über Künstler, die auf unserer Kleinkunstbühne in Herborn auftreten.

Schlumpe­weck

Die KulturScheune Herborn lädt in Verbindung mit dem Stadtmarketing, der Sparkasse Dillenburg, der Firma Rittal sowie der Friedhelm-Loh-Group zur Teilnahme am Wettbewerb um den Herborner Klein­kunstpreis "Schlumpeweck" ein.

KulturScheune Herborn - Herborner Heimatspiele e.V.      Austraße 87     35745 Herborn