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Siebenmal - bis zum Mai kommenden - geht die Deutsche Kabarettmeisterschaft 2015/16 über die Kusch-Bühne. Der Herborner Kleinkunsttempel ist zum dritten Mal eine von bundesweit 13 Spielstätten der Liga.

Zur ersten Runde stellten sich das deutsch-österreichische Duo Stefan und Leonhardsberger und Martin Schmid sowie der Deutsch-Afghane Faisal Kawusi aus Mörfelden-Walldorf dem Herborner Publikum, das von Kabarettmeisterschaftserfindcr Theo Vagedes auf Touren gebracht wurde.

Wie man diverse Klassiker und aktuelle Charthits der Popmusik im österreichischen Tonfall neu interpretiert und dabei auch den Sinn der Texte einer originelleren Bewertung unterwarfen, das führten Austropopper Stefan Leonhardsberger und der bayerische Gitarrist Martin Schmid auf höchst unterhaltsame Weise vor. „Da Billy Jean is ned mei Bua“ nennen sie ihr Programm, das das mit viel Schmäh und hintersinnigen Alltagsbeobachtungen aufwartet.

Leonhardsberger, der in seiner Stimme österreichische Popstars wie Wolfgang Ambros und Falco aufblühen lässt, interpretierte mit gekonnter Mimik und jeweils passenden Posen bekannte Melodien wie „The Lazy Song“ von Bruno Mars oder „Private Dancer“ von Tina Turner. Gekonnt griff er sich bei Michael Jacksons Song „Billy Jean“, der zur Chronik einer folgenreichen Vaterschaftsklage wird, in den Schritt, während er mit Leidensmiene in Lana del Reys „Summertime Sadness“ der Stunde hinterher jammerte, die durch die Sommerzeitumstellung verloren geht. Und bei ihrer Version von Rihannas „Umbrella“ ging es um eine Freundschaft, die fast an einem Bissen Schnitzel zerbricht.

Geschichten mitten aus dem Alltag, die mit Melodien für Ewigkeit zu einer unterhaltsamen und auch nachdenklich stimmenden Bestimmung zugeführt wurden, das kam beim Kulturscheune-Publikum gut an, zumal nicht nur Stefan Leonhardsbergers Vokalkunst vom Feinsten war. Mit seinen vorzüglichen Gitarrenarrangements im Singer/Songwriter Stil wandelte sein Bühnenpartner Martin Schmid auf den Spuren großer Popkunst.

Faisal Kawusi, ein schwergewichtiger Stand-Up-Comedian mit afghanischen Wurzeln, der schon mit seinem ersten Soloprogramm ,,Glaub nicht alles, was du denkst" die Bühnen der Republik eroberte, kam auch in der KuSch bestens an. Der „afghanische Hofnarr“, als der er sich selbst bezeichnete, wartete schließlich mit weit mehr als nur abgedroschenen Witzen auf, sondern räumte mit viel Sinn für Selbstironie mit Vorurteilen auf, die uns täglich beschäftigen.

Auch wenn ihm noch die Bissigkeit und die Schärfe eines Abdelkarim fehl, so ist Kawusi doch auf den richtigen Weg, aus dem Comedian-Allerlei herauszuragen. Ob Familie, Freundschaft, die erste Liebe und das Single-Dasein, Religion und Tradition, Faisal Kawusi hatte zu den Fragen des gesellschaftlichen Lebens stets eine Antwort parat. So gerieten bei ihm die Burkas zu Überraschungseiern, als er in einem afghanischen Basar einmal seine Tante vertauschte und es erst nach einer Woche bemerkte.

Faisal Kawusi, der die Welt nicht nur aus der Sicht eines gebürtigen Afghanen sieht, sondern sich wie viele andere seiner Zeitgenossen über verrückte Eltern und schizophrene Geschwister echauffiert, nahm bei seinem Auftritt kein Blatt vor dem Mund - von schwulen Taliban bis zum Thema Flüchtlinge.

„Ich bin als Flüchtling viel zu dick!“,bekannte Faisal, der mit so viel Direktheit punkten konnte. Am Ende hatte der sympathische Pfundskerl, der als Afghane immer noch für einen Türken gehalten wird, mit 56 Prozent Stimmanteil bei der Wahl zum Sieger-Act des Abends am Ende knapp die Nase vorn.

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

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