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Über die Leiden des modernen Mannes hat Martin Guth in der Herborner „Kulturscheune“ („KuSch“) räsoniert. Kabarett und Comedy gingen dabei im Laufe des Abends nahtlos ineinander über.

Im Großen und Ganzen waren die Zuschauer vom Programm mit dem Titel „Meine Frau, ihr Mann und ich“ begeistert. Martin Guth hat sowohl als Solokünstler wie auch als ein Teil des Kabarettduos FaberhaftGuth, bereits viele Erfolge gefeiert. In der „KuSch“, wo er unter anderem im Rahmen der Kabarettbundesliga auftritt, hätte er eigentlich ein Heimspiel haben müssen.

Trotzdem schien, zumindest in der ersten Hälfte der Show, der Funke bisweilen nicht so richtig auf das Publikum überspringen zu wollen - was womöglich an dem Quäntchen Routine zu viel gelegen haben könnte, mit dem Guth die Pointen des Programms, mit dem er bereits seit längerer Zeit auf Tour ist, präsentierte. Nichtsdestotrotz, der Abend beinhaltete zahlreiche erstklassige Nummern und Guth hatte sich spätestens gegen Ende der ersten Programmhälfte auf Betriebstemperatur gespielt, wusste von da an, die Gäste mitzureißen.

Als Roter Faden dient dem gebürtigen Butzbacher für seine Show die fiktive Geschichte rund um den Ehebruch seiner Frau Heike. Die hat sich den muskulösen geistigen Bodenturner Joey geangelt. „Bin ich wirklich so modern oder nur gut dressiert“, fragt Guth zum Auftakt der Show, bei dem er eingesteht, sich mittlerweile sogar im Wald zum Pinkeln hinzuhocken.

Während der folgenden zwei Stunden erlebte das Publikum sowohl Satire wie leichteren Witz, Gesellschaftskritisches wie Seichtes und vor allem viele intelligente und kreative Wortspiele. Dabei wechselte Guth in bewährter Manier zwischen Wort- und Musikbeiträgen, immer unterstützt von Bühnenpartner Christian Krauß. Der sorgte für eine instrumental wie stimmlich ansprechende Begleitung und brachte Guths Ausführungen durch seine ausgefeilte Mimik zur Geltung.

Dabei zeigte sich auch, dass gerade der Bereich Musikkabarett die Stärke Guths ist. Famos war beispielsweise der Song zum Thema „Ich kann mir Namen nicht gut merken“ und geradezu grandios mutete dann das Lied über ein verpatztes erstes Date im Fischlokal an. Weil die Dame Fisch nicht mochte und Pangasius für einen Eisheiligen hielt, konstatierte der frustrierte Neu-Single Guth: „Ich kann nichts mehr für dich t(h)un Fisch.“ Warum die Begriffe Technomusik und Eheglück zu den Oxymora gehören, er nicht mit einer „mehrköpfigen Band“ auftritt und die an RDS (Redewendungsdefizitsyndrom) leidende Gaby keine Frau für ihn ist, erläuterte er dem Publikum äußerst illuster.

Zugleich würzte er den Abend mit den Anekdoten des quasi alleinerziehenden Vaters über katholische Kindergottesdienste. Bei diesen amüsierte besonders die Schilderung der auch als Päpstin bezeichneten Gemeindereferentin. Der Alleinerziehende wunderte sich abschließend über nichts mehr, außer, dass die katholische Kirche es nötig hat, bei einem schwedischen Möbelhaus Bleistifte im großen Stil zu entwenden.

Zusätzlich stellte Martin Guth auch Ausschnitte aus seinem neuen Roman vor, der den gleichen Titel wie das Programm trägt. Darin enthalten ist unter anderem die Shoppingtour mit den doppelbenamten Töchtern Jaqueline-Jutta, Elena-Erna und Lara-Liesel - ausgerechnet an einem verkaufsoffenen Sonntag in Frankfurt. Sehr amüsant war auch die Interaktion mit dem aus dem Publikum erkorenen „Klassensprecher“ und seiner Frau.

Zwei nachdenkliche, leicht melancholische Gesangsnummern zum Thema Demenz und dem Besonderen, das Kinder haben, wenn sie einfach friedlich schlafen, gaben einen Einblick in eine andere Form des Kabaretts, die Guth aber ebenso beherrscht. Die sehr spaßlastige Zugabe, die das Hessische aufs Korn nahm, rundete einen Abend ab, der nach einem etwas verhaltenen Start zunehmend Fahrt aufnahm und am Schluss definitiv begeisterte

 

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

 

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