Vocall Recall II

Mit der Schauspielerin, Sängerin und Komödiantin Anna Schäfer und dem Berliner Vokalensemble Vocal Recall präsentierten sich die beiden letzten Wettbewerber um den achten Herborner Schlumpeweck.

Dem begeisterungsfähigen aber auch kritischen Publikum in der Kulturscheune erwiesen sich, wieder im Doppelpack angetreten, die Heimatspieler Helmut Rolfes und David Löll als lockere Moderatoren, die ohne lange Umschweife die Programmpunkte ankündigten, die ganz im Zeichen der Musik standen.

Man kennt Anna Schäfer vom Theater und vom Fernsehen, Und auch als Comedian steht sie sie ihre Frau, die sich in der Kusch auf die Suche nach dem Mann in ihr begab. Ungemein charmant, dabei in der Sache zwischen hart und zart agierend, gab sie die kesse Göre, die coole Diva und die bissige und zugleich selbstironische Kabarettistin, die mit krachender Komik ihre weiblichen Muskeln spielen ließ, damit ihr Traum vom Mann nicht zum Alptraum wird.

Mit ihrem Lockenkopf an die auch singende Katja Riemann erinnernd, wirkte sie zwar burschikos, doch ihre Stimme war weit davon nur luftig-leicht zu sein. Bei ihrem Solo mit zwei Herren – Pianist Pascal und Saxofonist/Klarinettist Kim - setzte sie sich so stimmgewaltig in Szene, dass sie damit locker die Türme von Jericho zum Einsturz gebracht hätte.

Genussvoll verstieg sich Anna Schäfer in tiefste Tiefen und schrillste Höhen. Wahlweise empfahl sie sich in ihren Liedern als die Frau zum SUV des Mannes oder als Cowgirl den lahmen Fuzzies auf ihren Motoguzzis Mores lehrte. Und als hysterische Rabenmutter stürzte sich im Abendkleid ins nächtliche Vergnügen.

Anna Schäfer wandelte im Berliner Jargon als Ulknudel auf den Spuren der große Quasselstrippe Gisela Schlüter. Als Drama-Queen, lehrte sie mit einem Mix aus Oper und Musiktheater à la Brecht/Weill Sachen den Männern Mores, und stelle sich einfach mal die Frage: Warum ist Gott männlich? Gut funktionierten jedenfalls ihre männlichen Begleiter, die in einem Schlagermedley, dem Mann im Manne ein musikalisch erfrischendes Denkmal setzten: „Mann-oh-Mann!“

Blieb das Publikum bei dem hinreißenden Auftritt von Anna Schäfer noch etwas verhalten, kannte die Begeisterung bei Vocal Recall keine Grenzen mehr. Die Boygroup mit Frau, bestehend aus Alice Köfer, Dieter Behrens, Bernhard Leube und Pianist/Keyboarder Martin Rosengarten, lieferte in ihrem einstündigen Auftritt eine „Tour de Force“ durch die Musikgeschichte ab – von Beethovens „Für Elise“ bis zu Leonard Cohens „Halleluja“.

Natürlich beließen es Vocal Recall nicht dabei bekannte Songs originalgetreu zu repetieren, sondern verfremdeten sie musikalisch und inhaltlich durch neue deutsche Texte, die phonetische Parallelen zu den Originalen aufwiesen. Im Satzgesang, eingerahmt von Klavierbegleitung plus Sample ließen sie dabei Whitney Houston auf Bushido oder Gloria Gaynor auf Bruce Springsteen treffen.

Die Fusion ihrer Idole, die sie auf eine nicht immer rücksichtvolle Weise vollzogen, war ganz mach dem Gusto der Zuschauer, die dem, spröden Charme und den herrlichen Schelmereien des Trios nur zu bereitwillig erlagen. Alice Köfer, bildet mit Berliner Schnauze den Kontrapunkt zu Bass Bernhard Leube (der sonst bei den Bayreuther Festspielen singt) und Tenor Dieter Behrens das Hochdeutsche bevorzugen. Sie sorgte mit erfrischenden Frotzeleien für jede Menge Heiterkeit zwischen den Liedern.

Immer in Bewegung - Stellungswechsel auf der Bühne inklusive – wandelten sie auf den Spuren des Frühstückseis, der Zahnheilkunde („Bo(h)rn To Be Alive“), den Hits der Discounter („Who The Fuck Is Aldi?“) oder der tragischen Geschichte eines Tapezierers, frei nach Unheilig: „Geboren um zu kleben“.

Das Herborner Publikum ließ die Revue von Vocal Recall mehr als gut passieren lassen. Man muss kein Prophet sein, um sie zur Preisverleihung am Sonntag wiederzusehen.

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

helmut-blecher

Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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Schlumpe­weck

Die KulturScheune Herborn lädt in Verbindung mit dem Stadtmarketing, der Sparkasse Dillenburg, der Firma Rittal sowie der Friedhelm-Loh-Group zur Teilnahme am Wettbewerb um den Herborner Klein­kunstpreis "Schlumpeweck" ein.

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