Starbugs II

Mit Marco Tschirpke, Meister des unvollendeten Liedgutes, und Starbugs, einem nicht minder meisterlichen Tanz-, Akrobatik- und Comedy-Trio aus Bern, ging der Herborner Kleinkunstpreis Schlumpeweck in die zweite Runde.

Helmut Rolfes – diesmal allein – hatte die Freude, diese zwei so absolut gegensätzlichen Programme anzukündigen, die beim Kusch-Publikum Lachsalven und Beifallstürme auslösten.

Zuerst stellte sich Marco Tschirpke, Berliner mit DDR-Vergangenheit („Mein Staat fiel zu den Ahnen aus Mangel an Bananen“) mit seinen so genannten „Lapsusliedern“ und Gedichten aus eigener Produktion einem verblüfften Herborner Publikum vor. Der Liedermacher und Poet, der mit einem subtilen Wort-Ton-Verhältnis und eigenwilliger Metrik unterwegs ist, benötigt meist nicht länger als 20 - 80 Sekunden für seine Klavierlieder und Verse. Denn wie schon Goethe über den Musikkabarettisten sagte: „Der begnadete Dichter möge sich nicht am Sujet überheben“, rezitiert Tschirpke kleine Verse, die klischeefreie Pointen beinhalten und ein Höchstmaß an Musikalität aufweisen.

Sein virtuoser Klavierstil kommt direkt an, seine Gedichte, im Stil eines Peter Hacks‘ oder eines Robert Gernhardt angelegt, bedürfen einer gewissen Verweildauer in den Gehirnzellen, bis sie endlich mit befreiender Wucht in der Lachmuskulatur ankommen. Tiefsinniges („Wenn ich einen Nerv hätte treffen sollen, wäre ich Anästhesist geworden“) trifft auf Triviales („Kein Tier in der Savanne schnarcht so wie du, Susanne“), und man hat dabei das Gefühl, vieles entsteht bei ihm aus dem Moment heraus. Dennoch ist Tschirpke, der nicht um Gunst des Publikums buhlt und sie dennoch frank und frei geliefert bekommt, ein Künstler mit Visionen, der mit seinem rabenschwarzen Stoff am Puls der Zeit hängt.

Ob Lieder über Erotik im Alter („Mutter warum hast du dich liften lassen, Papa sucht schon nach dir“), über die Menge der Splitter vom Kreuz Christi („Man kommt auf gut 1000 ha Wald“) oder einen Kosmonauten, der sich nicht in den Kosmos traut, die Palette an Themen, die der provokante Schlaumeier bereithält, ist lang, doch viel kurz für seinen Auftritt in der KuSch, der mit lang anhaltenden Beifall quittiert wird.

Konnte es da noch eine Steigerung geben? Ja! Das Berner Trio Starbugs, das Helmut Rolfes als die lauteste Pantomime-Truppe der Welt ankündigte, verwandelte die KuSch-Bühne in eine Zirkusarena voll erfrischender Komik, furiosen Tanzeinlagen, toller Akrobatik und wundervoller Magie. Ob als finstere HipHopper mit „Gangsta-Rap“-Pose oder als Metal-gepolte „Headbanger“, Starbugs spielen spielerisch mit Moden, Trends und dem vor keiner Peinlichkeit zurückschreckenden Zeitgeist. Permanent legen sie den Hebel um, lassen als Cowboys mit Stoffpferden, die sie sie wie Phallusse vor sich hertragen, den Macho in ihnen freien Lauf. Und ihrer schier endlosen Auswahl Klassikern aus Pop, Rock und Filmmusik unterziehen sie mit rasantem Tempowechsel einem sehr individuell wirkenden „Stage Upgrate“

Vor und hinter einer schwarzen Wand, drehen sich Köpfe um die eigene Achse, Hände sind dort, wo sie nicht sein dürften. Die Illusion des schönen Scheins und des irren Seins mündet bei Starbugs in ein fulminantes Spektakel – fast – ohne Worte. Ihre Show ist präzise, schnell und ungeheuer witzig, wie ihre Version des Queen-Klassikers „Bohemian Rhapsody“. Die eben lautesten Pantomimen der Welt spielen mit allem, was ihnen in die Hände kommt, und dabei lassen sich in ihrem Drang zu Bewegung und Rhythmus von nichts und niemand stoppen – bis zum Schluss mit unvermeidlicher Zugabe.

Wertet man die Dauer des Beifalls als ungeteilte Zustimmung für ihr Tun, dann kann man sie schon vor dem dritten Wettbewerbsabend am Freitag zu den heißen Anwärtern auf den Schlumpeweck-Publikumspreis zählen.

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

helmut-blecher

Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

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Die KulturScheune Herborn lädt in Verbindung mit dem Stadtmarketing, der Sparkasse Dillenburg, der Firma Rittal sowie der Friedhelm-Loh-Group zur Teilnahme am Wettbewerb um den Herborner Klein­kunstpreis "Schlumpeweck" ein.

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