Alian Frei II

„Same procedure as every year”: Sechs Endrundenteilnehmer - ausgewählt aus 93 Bewerbungen - treten an drei Spielabenden im Wettbewerb um die begehrte Kleinkunstrophäe, den „Herborner Schlumpeweck“, an.

Gesponsert wird der Preis von der Friedhelm-Loh-Group/Rittal, der Sparkasse Dillenburg und dem Stadtmarketing Herborn. Eine sechsköpfige Jury und last but not least das Kusch-Publikum wählen die Sieger aus, die sich am kommenden Sonntag (4.10.) in der Schlussveranstaltung über eine wertvolle Bronzeskulptur und Preisgelder in Höhe von insgesamt 8.000 Euro freuen können.

Neu war das Moderatorenteam der Herborner Heimatspiele, bestehend aus Helmut Rolfes und David Löll. In Vertretung des erkrankten Jörg Michael Simmer begrüßten sie das Publikum in der ausverkauften Kulturscheune und machten es mit dem Prozedere des Wettbewerbs vertraut

Der erste Kandidat des Abends war der junge Schweizer Comedian Alain Frei, der als Schwiegermüttertraum die ideale Besetzung ist: Er sieht gut aus, ist charmant, sportlich und keck, nur sein Witz und sein Timing für gute Gags ließen noch etwas zu wünschen übrig. Nun, auch als Schweizer mag man etwas langsamer als andere sein, doch in punkto Bissigkeit muss man hinter anderen Vertretern der Kabarett- und Lustbarkeitsbranche – siehe Andreas Thiel und This Maag– nicht zurückstehen.

Alain Frei, dem eine rote Linie, so etwas wie ein Programm fehlte, forderte Spaß ein, den man an seinen Witzen und Geschichten haben sollte. Nur schade, wenn man sie schon kannte. Da wäre eine Nachfrage bei Fips Asmussen oder Markus Krebs hilfreich gewesen, die nur mit ihrer schieren Masse an Witzen Treffer landen.

Selbstironie kann man bei Frei schon mal auf der Habenseite des Comedian verbuchen. Und als er Texte des Rappers "Haftbefehl" zitierte, der statt Sex von seiner Braut lieber Chicken Wings verlangt, war danach irgendwie alles Chicken Wings. Pech hatte Alain Frei auch, als er sich für seine gespielte Wilhelm-Tell-Parodie einen Partner aus dem Publikum ausmachte, der für ihn die Geräusche machen sollte. Nur wollte dieser partout nicht mitspielen und kam über ein Krächz und Peng nicht hinaus.

Letztlich sorgte die unfreiwillige Komik dieses Spiels für große Heiterkeit und einen versöhnlichen Abschluss des Auftritts von Alain Frei, dessen Schweizer Verständnis für Humor und Ironie mit der Zeit garantiert noch wachsen dürfte.

Holger Edmaier, der zweite Act des Abends war da von einem anderen Kaliber. Der Musikkabarettist, der in Herborn durch seinen fulminanten Auftritt im Rahmen der Deutschen Kabarettmeisterschaft bereits bekannt ist, ließ auch diesmal nichts anbrennen, um mit spritziger Musikalität und beißender Ironie, die spießige Mauer von Moral und Anstand, fernab von Allgemeinplätzen, Kalauern und Plattitüden einzureißen.

Temporeich, wortgewandt und fein- sowie hintersinnig, bot der gebürtige Bremer mit Wohnsitz in Stuttgart ohrwurmträchtige Lieder und Chansons am Piano, die voll doppeldeutiger Poesie waren. Mit seiner Stimme, die selbst fürs große Musiktheater nicht zu klein ist, eroberte er das KuSch-Publikum im Sturm. Liebe und Beziehungen, aber auch sozial- und gesellschaftskritische sowie politische Inhalte bildeten sein Repertoire, in dem er mit herrlicher Mimik, durch „ Die Nacht“ rauschte, die griechische Sagenwelt – hübsch versaut – aufmischte und Howard Carpendale in „Du bist so gut“ als eitlen Geck im Bolero-Rhythmus stilisierte. Als Holger Edmaier entgeistert von seinem Elektrostimulationstraining berichtete, mit der man der man angeblich der fortschreitenden Gravitation des Köpers ein Schnippchen schlägt, hatte er ebenso die Lacher auf seiner Seite, wie bei seiner Abrechnung mit militanten Bio-Freaks.

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

helmut-blecher

Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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Schlumpe­weck

Die KulturScheune Herborn lädt in Verbindung mit dem Stadtmarketing, der Sparkasse Dillenburg, der Firma Rittal sowie der Friedhelm-Loh-Group zur Teilnahme am Wettbewerb um den Herborner Klein­kunstpreis "Schlumpeweck" ein.

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