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Ein Erfolgsformat für die Kleinkunstszene und das Publikum ist der Herborner „Schlumpeweck“, der heuer in die sechste Runde geht. Zum Auftakt in der

ausverkauften Kulturscheune präsentierten sich am Montagabend zwei Allrounder mit Kultformat: Der Bauchredner, Musiker und Comedian Benjamin Tomkins und der Seemannsgarn schnackende und singende Nagelritz. Der sechsköpfige Jury, die aus knapp 80 Bewerbungen die sechs Endrundenteilnehmer ausgewählt hatte, hat bis zur Kür der Gewinner noch ein gutes Stück Arbeit vor sich wie auch die Dauerkartenbesitzer, die den Publikumspreisträger bestimmen. 

Noch sind die Herborn antretenden Schlumpeweck-Aspiranten nicht jedermann bekannt. Doch das dürfte sich rasch ändern, denn was die beiden ersten Künstler in der Kulturscheune zeigten, war wesentlich mehr, als dass man es nach jeweils etwas mehr als 60 Minuten Spielzeit wieder  vergessen könnte.

Der sympathische, gänzlich unaufgeregt wirkende Benjamin Tomkins überzeugte mit seiner Mischung aus Bauchrednerkunst, Puppenspiel und Gesang. Sie gereicht nicht nur jeder klassischen Varieté-Kunst zur Ehre, sondern führt auch den üblichen Mainstream-Comedy-Quatsch komplett ad absurdum.

„Früher war ich schizophren, aber heute sind wir wieder ok”, heißt sein aktuelles Programm, bei dem er seine Puppen und die Piano-Tasten tanzen ließ. Mit lockerem Talk führte er seine Zuschauer in die Geheimnisse des Bauchredens ein: „Man redet, ohne dass man es sieht!“ Dass der frühere Gebrauchtwagen-Autoverkäufer und jetzige Shootingstar unter den Comedians mehr kann, demonstrierte er mit und ohne seine Stoff-Figuren, die allesamt Spezialanfertigungen sind. Mit Witz, Ironie und gutem Gespür fürs Skurrile zeigte zunächst mit Trockenübungen wie man als Bauchredner für Verblüffung sorgen kann. Eine Schwangere erfuhr so den Ruf ihres Babys im Mutterleib: „Ich will hier raus!“ Und der von ihm erzeugte Hilfeschrei aus einem Altglascontainer: „Ich bin hier reingefallen“, löste einen Großeinsatz der  Feuerwehr  aus.

Als kesser „Puppenflüsterer“ sorgte der in Berlin lebende Weltenbummler dann für höchst emotionale Regungen beim Publikum. Mit seinen knuffigen Stofftieren – Ratte, Schildkröte, Rüsseltier, Kaninchen und zwei krähenden Raben –  hielt er so innige Zwiesprache, dass man sein „Menscheln“ für bare Münze nahm. Die Zuschauer litten und fühlten hörbar mit den Aktionen seiner Figuren.

Nur mittels Hand und Stimme lieferte Benjamin Tomkins eine tolle Schau ab, die in munteren Liedern wie „Dream A Little Dream Of Me“ oder in der Analyse der Vierzeilers (lateinisch: Quattro stagioni) „Hoppe, hoppe Reiter“ mündete. Tosender Beifall war der Lohn für einen großen Auftritt im Kleinformat.

Auf den schwankenden Planken der Kulturscheune hielt sich der zweite grandiose Kleinkünstler des Abends, Dirk Langer alias Nagelritz, wunderprächtig gut. Jede Menge Seemannsgarn verbreitend und noch mehr „Ahoj“-Brause unters Volk verteilend, lieferte der vom Containerschiff Antigone abgemusterte Leichtmatrose tonnenschwere Lachkost ab.

Der singende und musizierende Seefahrer aus Gelsenkirchen, dem dank Aquavit selbst der härteste Seegang nichts anhaben kann, schaukelte und schunkelte sich mit dem Schifferklavier munter durch raue Songs und ergreifende Balladen, Dazu gab’s die haarsträubendsten Geschichten, die er und seine Kumpels Hinnerk und der Spanier Raoul auf den Weltmeeren und in den Hafenspelunken erlebt haben.

Den Geist, den Nagelritz aus der Flasche ließ, war ein munterer Kobold, der sich als Einflüsterer für den landgängigen Seemann erwies. Als Signalgast, der in keinem Signalbuch befindliche Flaggenzeichen setzte, vermochte er ebenso zu begeistern wie als Maler kurioser Motive. So konnte man den weder  Tod und Teufel scheuenden Bordkater „Black Beard“, einen Tischfisch und die letzte Ansicht eines Seemanns – den weit geöffneten Rachen eines Hais – in Augenschein nehmen.

Ihn nicht zu mögen, war schlicht unmöglich. Nagelritz, der für Wellen der Heiterkeit sorgte, vermochte haarstäubend komische Geschichten zu erzählen, die man nicht glauben würde, hätte man sie nicht mit eigenen Ohren gehört.

 

 

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Die KulturScheune Herborn lädt in Verbindung mit dem Stadtmarketing, der Sparkasse Dillenburg, der Firma Rittal sowie der Friedhelm-Loh-Group zur Teilnahme am Wettbewerb um den Herborner Klein­kunstpreis "Schlumpeweck" ein.

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