WasnTheater079

 „Was’n Theater!“ oder wie die Herborner Heimatspiele ihr 25jähriges Bestehen feiern

 

Wie man es versteht, aus dem vollen Theaterleben zu schöpfen, ohne sich dabei zu erschöpfen, beweisen die Aktiven der Herborner Heimatspiele seit 25 Jahren. Und wie man ein Jubiläum auf der Kusch-Bühne zünftig zelebriert, beherrschen sie obendrein auch noch. „Was’n Theater“, ausgedacht, geschrieben und inszeniert von Holger Heix, dem Regisseur der letzten drei Sommerstücken der Heimatspieler, treibt die Spielfreude der Heimatspieler  absolut auf die Spitze. Fast 30 Akteure auf der Bühne und mehr als ein Dutzend Helfer hinter den Kulissen sorgen gut zweieinhalb Stunden dafür, dass sich Begeisterung des Publikums nicht erst beim Schlussapplaus orkanartig Bahn bricht.

 Markante Szenen aus vier früheren Aufführungen -  Walter Schwahns „Das edle Haus“, Dürrenmatts „Physiker“, Agatha Christies „Da waren es nur noch neun“ und „Der Zauberer von Oz“ - hat Holger Heix  in sein Stück so eingebaut, dass sie Zündfunke und Antrieb für eine aus dem Tollhaus des wahren Lebens geschnitzte Handlung werden, in der Neid, Eifersucht und der Suff dominierend sind. Die Premiere am Freitagabend und wohl auch die weiteren Aufführungen dürften mit Fug und Recht auf der Habenseite des diesjährigen Kulturschaffens in der Region ganz oben stehen.

 Bevor die turbulente Komödie ihr „zerstörerisches“ Werk in den auf Heiterkeitsausbrüche gepolten Hirnzellen des Publikums anrichten kann, parlieren und sinnieren Albert Follert als Autor, Peter Lüdecke als Intendant und Helmut Rolfes als Geschäftsführer  über den Sinn und Zweck des Theaterspielens ein: „Kunst ist schön, macht aber Arbeit!“ Und natürlich spielen auch die Kosten eine Rolle, wenn man ein Stück plant, in dem ein palästinensischer Buchhalter, der in Wirklichkeit eine norwegische Prinzessin ist, und eine Bauchtänzerin, die eigentlich ein Berufsschullehrer aus Karlsruhe ist. Da feiern das Absurde Theater, die surreale Comedywelt von Monty Python’s Flying Circus und die Schlusszene aus Billy Wilders „Manche mögen’s heiß“ fröhliche Urständ.

 Im Theater-Irrenhaus schwingt ein cholerischer, von Profilneurosen geplagter Regisseur, gespielt von David Löll, das Zepter. Assistiert von einer resoluten Inspizientin, auf brillante Weise in Szene gesetzt von Eva Krüger, vermögen es die beiden Theatermacher dennoch nicht die Schauspieltruppe auf Linie zu trimmen. Angesichts der psychischen Macken und der Animositäten der Darsteller untereinander, gerät die Generalprobe zunehmend aus dem Ruder. Währenddessen gehen die Kulissenbauer stoisch und vom Bühnentreiben unbeeindruckt ans Werk, füllen die leere Bühne mit Schautafeln zu einer Ausstellungsfläche die das Jubiläum reklamiert: „25 Jahre Herborner Heimatspiel e.V.“

 Das skurrile Treiben um Pathos, Anzüglichkeiten, große Gefühle und Moral nimmt seinen Lauf. Ritter, Tod und Teufel münden in die Krimiwelt von Agatha Christie, wo man Brecht’schen Sinne um eine sozialkritische Weltsicht ringt. Die Physiker Max Bierbach, Chris Großmann und Fabian Herr ringen in Schutzanzügen gegen das Ebola-Virus und gegen eine in Darth-Vader-Maske auftrumpfende Sabine Rühl an. Und in der wunderbaren Welt von Oz, in der der wunderbare Zauberer, gespielt von Frank von der Heyde, in Frauenperücke auftritt, erfährt man die Gewissheit, dass Theater alles nur Komödie ist.

 Im zweiten Akt, des mit Bezügen auf das aktuelle Weltgeschehen nicht geizenden Stücks von Holger Heix, der nicht nur als Regisseur, sondern auch als Schauspieler sein Mann steht, gerät die Handlung auf der Bühne gänzlich aus den Fugen. Bei der Premierenaufführung, kommen die falschen Kostüme im richtigen Stück und umgekehrt  zum Einsatz. Und statt des richtigen Einsatzes, stehen private Animositäten der Schauspieler im Vordergrund, die in einem Ehestreit münden- mit körperintensiven Einsatz gespielt von Eva Schauwecker, Conny Glade-Wolter, Holger Heix und Albert Follert.

 Getreu dem Motto: „Es gibt keine kleine Rollen, es gibt nur kleine Schauspieler“, laufen die Heimatspieler zur Höchstform auf. Gespickt mit Bonmots und herrlich liederlichen Sprüchen, mündet das Stück schließlich in das eingangs angedachte Stück mit falscher Jungfrau und falscher palästinensischem Buchhalter – begleitet von einem Schlager-trällernden Chor. 

 Helmut Rolfs freute sich am Schluss, dass man es zum Jubiläum geschafft habe, so viele Darsteller – generationsübergreifen auf die Bühne zu bringen. Und Holger Heix verkündete die Ära der Monty Python‘s, „gespielt von einem tollen Ensemble“. Und da hat er Recht.

 Weitere Vorstellungen jeweils um 20 Uhr gibt es am Samstag 29.08. am 2., 4. und 5.  September. Eine Nachmittagsvorstellung kann man am Sonntag (30. August) um 17 Uhr besuchen.

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

helmut-blecher

Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

kbl2014

Dauerkarte Deutsche Kabarettmeisterschaft
Sie können Ihre Dauerkarte auch nach Beginn der Kabarettmeisterschaft kaufen.
Das Ticketsystem stellt Ihnen die verfügbaren Tickets zusammen und berechnet Ihren Preis.

Ticket 1. SpieltagTicket 2. SpieltagTicket 3. SpieltagTicket 4. SpieltagTicket 5. SpieltagTicket 6. SpieltagTicket 7. Spieltag

KuSch TV

Auf diesem YouTube-Kanal berichten wir über Künstler, die auf unserer Kleinkunstbühne in Herborn auftreten.

Schlumpe­weck

Die KulturScheune Herborn lädt in Verbindung mit dem Stadtmarketing, der Sparkasse Dillenburg, der Firma Rittal sowie der Friedhelm-Loh-Group zur Teilnahme am Wettbewerb um den Herborner Klein­kunstpreis "Schlumpeweck" ein.

KulturScheune Herborn - Herborner Heimatspiele e.V.      Austraße 87     35745 Herborn