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„Die seltsame Gräfin“ heißt das Stück, das die „Youngsters“ der Heimatspieler noch bis zum 25. Juli in der Herborner Kulturscheune (KuSch) aufführen. Das Premierenpublikum hat die Krimiadaption begeistert aufgenommen.

Mit dem in Deutschland unter gleichem Namen erschienen Buch hat das Stück allerdings nur wenige Gemeinsamkeiten. Die von Dirk Zellmer „frei nach Edgar Wallace“ für das Theater geschriebene Fassung enthält grundlegende Änderungen bei der Handlung und den Charakteren. Vielmehr ist das Stück eine Adaption des 1961 in Deutschland erschienen Kriminalfilms.

Im Gegensatz zu dem, im Rahmen der Kultfilmreihe entstandenen Film, fällt die Theaterfassung leider ab. Sie kann hinsichtlich Spannung und Witz nicht mit dem Drehbuch von Robert A. Stemmle und Curt Hanno Gutbrod mithalten.

Regie und spielerischer Leistung der „Youngsters“ war es deshalb zu verdanken, dass der Theaterabend in der „KuSch“ dennoch ein unterhaltsamer wurde. Das Stück spielt in der Bibliothek des Stadthauses der titelgebenden Gräfin Eleanor Moron, die ein dunkles Geheimnis hat. Laura Dörr verkörperte die strenge Frau mit dem düsteren Charakter und wurde ihrer Rolle mehr als gerecht. Ebenso gut spielte Jasmin Behnam die junge Privatsekretärin Margaret Reddle, die eine Stelle bei der Gräfin angetreten hat und sich nun mit unheimlichen Drohanrufen konfrontiert sieht. Was sie nicht weiß: Ihr Engagement hängt mit einer geheim gehaltenen Verwandtschaft zusammen und es geht um nichts weniger als ein reiches Erbe.

Genauso nichtsahnend wie Margaret ist der Sohn der Gräfin, Selwyn Moron. Den jungen Adligen spielte Leon Kunz sehr authentisch. Mysteriös und undurchsichtig entspann sich in der ersten Hälfte die Handlung des Stücks. Dazu trugen auch die vielen Personen bei, die nach und nach eingeführt wurden. Die Zuschauer fragten sich gespannt, welche Rolle der undurchsichtige Verlobte der Gräfin (gut dargestellt von Till Rehling) oder die gerade aus dem Gefängnis entlassene Köchin Mary Pinder (Leonie Arhelger-Müller) in der Kriminalgeschichte spielten.

Auch beim seltsam und unheimlich wirkende Butler Norman Bates (eine Hommage an Wallace Krimi-Kollegen Alfred Hitchcock) stellte sich lange die Frage, ob er vielleicht der Täter ist. Großartig interpretierte Eric Thomas diesen Charakter. Natürlich löste sich am Ende alles mit dem für Wallace typischen Happy End auf. Personen, die auf rätselhafte Weise verschwanden, Geheimtüren und andere schaurige Begebenheiten sorgten bis dahin für Spannung.

Natürlich kamen auch die parodistischen Elemente nicht zu kurz. Die Hausangestellten John Haskins und Emily Stevens – eine schöne Weiterentwicklung der in der (durch Goldoni reformierten) commedia dell´arte beheimateten „Zanni“ – sorgten für die ironische Kommentierung der Handlung. Mit dem erforderlichen Witz verliehen Michel Dahlhaus und Lisa Kring den Figuren Leben.

Komödiantisch gut fügte sich auch der Leibarzt der Gräfin Doktor Tappatt in das Geschehen ein. Philipp Dahlhaus ging in dieser Rolle voll auf. Immer wieder wurde, wie auch in der Filmreihe üblich, mit einem Augenzwinkern auf die Originalwerke des bekannten Krimiautors referiert. Insgesamt erlebte das Publikum einen spannenden und unterhaltsamen Theaterabend.

In weiteren Rollen waren Anna-Luisa Hortien (Lizzie Smith), Jean-Loupe Jupe (Rechtsanwalt Max Shaddles) Lina Hardt (Frau von Max Shaddles) und Hannah Kunz (Lois Reddle) zu sehen. Regie führten Anna Julia Cunz und David Löll. Letzterer hatte mit Bernd Winnemann und Mike Krüger auch ein ansprechendes Bühnenbild konzipiert. Dessen Wirkung wurde durch die Kostüme verstärkt, für die Adelheid Simmer verantwortlich zeichnete.

Das Stück ist noch am 22. und 24. Juli um jeweils 20 Uhr und am 25. Juli um 18 Uhr zu sehen. Karten gibt es bei Optik Tafelski und der Dillenburger Musicbox oder über die Homepage des Veranstalters unter www.kusch-herborn.de.

 

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

 

 

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