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Man kennt und liebt ihn, den Saarländer „Dommschwätzer“ Heinz Becker, der über zehn Jahre lang in der TV-Serie „Familie Heinz Becker“ die Abgründe der deutschen Spießerseele trefflich vorführte.

Auf der Bühne ist die Kunstfigur des Kabarettisten Gerd Dudenhöffer allein mit sich und der Welt. Im Spannungsfeld zwischen Borniertheit und Zeitgeschehen philosophierend, ließ er seine Kunstfigur auf das Publikum in der ausverkauften Kulturscheune los, das sich köstlich über die abstruse Erzählkunst seines Heinz Beckers amüsierte.

„Früher war vieles besser, heute ist man nur schlauer“. Der Becker Heinz, der mit waschmaschinenfester Schiebermütze und Karohemd auf einem Stuhl thronend über sein Leben parliert und dabei noch so ganz nebenbei die Geschichte der Bundesrepublik Revue parlieren lässt, hält sich nicht lange mit Vorreden auf. „Vita. Chronik eines Stillstandes“, nennt Dudenhöffer sein neues Programm, das zumeist das repetiert, was er seinem Heinz Becker auch schon bei früheren Auftritten in den Mund gelegt hat.

Heinz Becker, in Sachen Toleranz überfordert, ist hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Mit den Armen fuchtelnd (als einziger Ausdruck von Empathie) gibt er den stoischen Spießer, der von nichts eine Ahnung hat, aber zu allem seinen Senf dazugibt. „Geh fodd“ oder „Hopp mach!“, die Sprüche des Saarländers sind längst zum festen Repertoire unseres Wortschatzes geworden. Und über Erkenntnisse wie: „Was ist eine Scheidung?“ –„Vernünftig!“ lacht man sich schier scheckig.

Im Versprechen, im Nichtsagen, liegt die Satire-Kunst von Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker, die sich dabei allerdings längst im Comedy-Mainstream verzettelt hat. „Die Realität ist in der Wirklichkeit oft eine Illusion“, sagt Heinz Becker und zitiert die NS-Vergangenheit aus der Sicht des angepassten Duckmäusers, der von nichts etwas mitbekommen hat: „Die Juden haben es gut, die fahren mit dem Zug in den Urlaub.“

Aufklärung und wache Erinnerungskultur bedürfen drastischer Worte, auch wenn’s manchmal arg knirscht. Der Satiriker Dudenhöffer nutzt die Derbheit und grotesk beredte Unwissenheit seiner Kunstfigur im Spiel mit dem Widerspruch in sich. Ob im persönlichen Leben, durch das sich der Becker Heinz von seiner Geburt („Was wäre aus mir geworden, wenn man mich Willy genannt hätte“) bis zu seiner Heirat mit Hilde („Es gab eine Kalt/Warm-Platte“) mit vertrauensseliger Naivität plappert, oder im Weltgeschehen - stets offenbart sich seine Kunst über alles zu reden, aber von nichts wirklich eine Ahnung zu haben.

„Ich habe Zivilcourage und der andere hat ein Messer – Friedhof oder Sofa.“ Gerd Dudenhöffer, der sich als Heinz Becker im Spannungsfeld zwischen angenehmer Warmdusche und spontanem Kaltwasserguss, zwischen Nähe und Distanz, um Kopf und Kragen redet, degradiert sich stellenweise vom Satiriker zum bloßen Witzerzerzähler. Aus dem negativ besetzten Datum 20. April macht er fast einen Running Gag und Oswalt Kolle wird bei ihm zum Erfinder des Sexes – „bei Licht“. Und das mit dem Ausländerzustrom nach Deutschland sei kein neues Phänomen, nur habe sich früher keiner groß dafür interessiert, geschweige denn Länder wie Syrien oder Kenia gekannt. „Allerdings habe es auch Ausländer gegeben, die in Deutschland Karriere gemacht haben. „Wenn ich einen Namen nenne, gehen manchem die Nackenhaare hoch und der rechte Arm schnellt in die Höhe“, so Heinz Becker, der nach 90 Minuten vernünftigerweise das (Bühnen)Licht ausmacht.

Zum Schluss gibt Gerd Dudenhöffer – ohne Schiebermütze – noch ein paar Kostproben seiner Dichtkunst, die der eines Wilhelm Busch durchaus würdig ist.

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

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