Mai-Slam016

Hinter der Falltür am Bühnenboden lauert ein verrückter Florist. Diese Szene ist keineswegs einem surrealen Theaterstück entnommen, sondern entstammt einer der illustren Anekdoten von Patrick Salmen.

Der Prosa- und Lyrikautor, Kabarettist und Slam-Poet war in der Herborner Kulturscheune („KuSch“) im Rahmen der Jubiläumsausgabe des „Scheunen-Slams“ zu Gast. Seit zwei Jahren findet die moderne Form des Dichterstreits in regelmäßigen Abständen statt. Was klein begann, hat sich mittlerweile zu einer deutschlandweit bekannten und geschätzten Veranstaltung entwickelt. Das wollten die Organisatoren Andreas Klein und Sascha Kirchhoff entsprechend feiern und hatten Patrick Salmen als „Special Guest“ engagiert.

Der bereicherte den ersten Teil des Abends mit „rhetorischen Perlen“ und „einer Antwort, die auf alle Fragen passt.“ „Ich habe eine Axt“ lautet diese, und sie ist nicht nur Titelgeberin für die Bühnenshow und das neueste Buch des Wuppertalers, nein, wer es ausprobiert, merkt: das funktioniert wirklich. Das Handwerkerutensil „spielte“ als Bühnen-Deko am Abend jedoch nur eine Nebenrolle. Und auch der Wortkünstler selbst ist mitnichten die „Axt im Poetenwald“.

Vielmehr erlebte das Publikum einen „ehrlichen Handwerker“. Gekonnt platzierte der seine Pointen, die definitiv nicht zur leichten Kost gehören, und wo Kabarett drauf stand, war auch Kabarett drin. Dementsprechend durften sich die Zuhörer an witzigen bis tiefsinnigen und meist sehr vielschichtigen Anekdoten erfreuen, die das Prädikat „geistreich“ durchweg verdient hatten. Beispielsweise die Erzählung vom „Invasions-Urlaub“ des unter „Katalogindividualismus“ leidenden Xerxes, der gen Athen ziehen will, letztlich aber in Antwerpen landet. Großartig auch die Episoden aus dem „Tagebuch eines Nicht-Rauchers“, der die E-Zigarette verweigert, weil er sich nicht vorstellen kann, einmal den Satz sagen zu müssen: „Ich kann grad nicht rauchen, mein Akku ist leer“.

Mitunter ein Höhepunkt des Abends waren schließlich die Rätselgeschichten, die Salmen zusammen mit seinem Freund „Quichotte“ unter dem Titel „Du kannst alles schaffen, wovon du träumst. Es sei denn, es ist zu schwierig.“ zusammengetragen hat. Herrlich grotesk waren diese Rätselaufgaben. So sollten die Zuschauer einen Filmtitel erraten, der sich aus dem männlichen Pendant zu einer Frau ergab, die Biber aneinander reibt, um Feuer zu machen. Die Lösung, Besucher zukünftiger Salmen-Shows mögen es verzeihen, lautet: „Herr rieb Otter (= Harry Potter)“.

Kein Wunder, dass das Rätselwerk einzig und allein durch den „literarischen Katzenkalender“ von der Bestsellerliste verdrängt werden konnte. Das alles präsentierte Patrick Salmen in seiner gewohnt süffisanten Art und mit typisch lässigem Ruhrpott-Pokerface.

Natürlich gab es für das Publikum am Sonntag auch noch die klassische Form des Poetry-Slams. Marco Michalzik (Darmstadt), Marco Müller (Herborn), René Schierl (Gießen), Sascha Kirchhoff (Herborn) und Livia Warch (Wetzlar) stritten mit Worten um die Teilnahme am „Hessenslam“. Letztere gewann den von Tristan Kunkel mit großartigem „Pädagogen-Witz“ moderierten Mini-Dichterwettstreit.

„Einfach mal mehr Bock haben, Bock zu haben“, darauf hatte auch das Publikum „Bock“ und klatschte Warch in der Finalrunde zum Sieg. Zum Gelingen der Geburtstagsausgabe trug am Abend zudem die „Schreibwerkstatt“ bei. Die Mitglieder präsentierten die im Rahmen des Inklusions-Projekts des Diakonischen Werks entstandenen Texte und Gedichte und überzeugten damit einmal mehr das Publikum.

 

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

 

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