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Das letzte Duell der Deutschen Kabarettmeisterschaft 2014/15 in der Herborner KuSch ist geschlagen. Die drei Erstplatzierten werden Ende Juni bei einer großen Gala in den Berliner Wühlmäusen gekürt.

In der 7. Runde traten vor vollem Haus in der Kulturscheune der Puppenflüsterer und komödiantische Poet Benjamin Tomkins und der Hamburger Comedian und Kabarettist Lutz von Rosenberg Lipinsky gegeneinander ein, um gemeinsam die Zuschauer von ihren Talenten zu überzeugen. Am Ende hatte der Schnellredner Rosenberg-Lipinsky knapp die Nase vorn.

Martin Guth gab wie schon in etlichen Runden zuvor den Conférencier und Einpeitscher, der allerdings das auf Feinsinn und Humor eingestellte KuSch-Publikum nicht noch mehr motivieren musste. Mit Benjamin Tomkins betrat ein Wiederholungstäter die Bühne. Der Schlumpeweck-Gewinner, der in Herborn bereits gefühlt eine eigene Postadresse hat, schaffte es dennoch, sich nicht zu wiederholen. Stattdessen verstand er mit neuen, spontanen Gedankensprüngen und neuen Puppen bestens zu unterhalten.

Ob am Piano kleine Gedanken mit großen Gefühlen zu füllen oder mit dem Publikum über Beruf, Alltag und Trinkverhalten zu disputieren - stets fand der Berliner den richtigen Ton und die passenden Worte. Pure Poesie wechselte sich mit absurd-komischer Dialogkunst ab, die der Bauchredner mit seinen selbstgebastelten Puppen führte. Mit dem Hund Chico disputierte er über die Lust am Lügen und mit dem „Grünen“ ließ er Hirn in den KuSch-Saal regnen.

Ein absoluter Lacher war das Maskenspiel, das er mit einem bereitwilligen Adepten namens Christian vollführte. In einem improvisierten Sketch brachte er mit Druckluft die Maske seines Mitspielers so zum Sprechen, dass sich daraus - dank Christians Motorik und Tomkins‘ Doppelzüngigkeit - ein Beziehungsdrama von Ibsenscher Dramatik entwickeln konnte.

Voller liebenswürdiger Emotionen war die Performance von Benjamin Tomkins, dem man Boshaftigkeit einfach nicht zutraute. Und so wurde sein Versuch, sich unsanft von seinem Fingerhasen Muckel zu lösen mit einem mitfühlenden „O weh“ quittiert. Man muss halt lieb zu seinen (Stoff)Tieren sein. Seiner Beliebtheit in Herborn hat es nicht geschadet.  

Der zweite Künstler des Abends, Lutz Von Rosenberg Lipinsky, überrollte im Eilzugtempo seine Zuhörer. Intelligente Comedy und lustiges Kabarett – mit ausgesprochener Boshaftigkeit serviert- sollte er laut Ankündigung machen. Nun ja, der Hamburger, der mit seinem Programm „Angst macht Spaß“ in Herborn antrat, machte zunächst Stimmung für sich, um dann wie ein Berserker, Stimmung gegen alle Miesmacher, Nervtötern und Angsthasen zu machen.

Ganz in Stil eines Louis de Funès zappelte, rotierte und fuchtelte sich der Hamburger durch sein Programm, bei dem Politiker, Bauherren, das Fernsehen und diverse deutsche Volksgruppen samt ihrer Dialekte von ihm abgekanzelt wurden – der pastorale Bundespräsident und die kanzlernde Pfarrerstochter inklusive.

Sterben die Deutschen aus, weil sie Angst vorm Sex haben? Was können wir noch essen, wenn ein Lebensmittelskandal den anderen jagt? Müssen wir Angst vor dem islamistischen Terror haben und müssen wir um unsere Jobs bangen. Im Chaos der letzten Tage stand der studierte Theologe am Krisenherd. Mit Macht hielt er die Ursuppe unserer Ängste unter Dampf und hatte dabei selbst keine Angst sich das Maul zu verbrennen.

Nicht jedes seiner mit drastischen Worten benannten Themen zu „German Angst" war trotz permanenter Heiterkeitsausbrüche seitens des Publikums ein echter Knaller. Lutz Von Rosenberg Lipinsky benannte die Ungereimtheiten in Gesellschaft und der Politik, ohne wirklich mehr als Lack des Unheils zu kratzen. Am Ende stellt sich für ihn wie im Fußball heraus: „Ist doch (alles) nur ein Spiel“, bei dem der komödiantische Kabarettist den Tanz auf dem Vulkan übte.

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

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