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Minutenlage „Standing-Ovations“ für Comedian und Entertainer Ingo Oschmann. Der hatte das Publikum zuvor in seiner zweistündigen Show nicht nur bestens unterhalten, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch verzaubert.

„Wort, Satz und Sieg“ heißt das neueste Programm von Oschmann, das er am Abend vor ausverkauftem Saal darbot. Gewohnt facettenreich, charmant und humorvoll unternahm er dabei einen Angriff auf Lachmuskeln und Sinneswahrnehmung der Gäste. Die staunten nicht schlecht angesichts der illustren Zaubertricks, die das Multitalent mit der für ihn typischen, wortgewandten Komik vorführte.

So ließ er zwei Freiwillige aus dem Publikum kurzzeitig das Lesen verlernen, so dass sie, zum großen Amüsement der Zuschauer, Wörter wie „Cocktailbar“ in unverständliche Lautgebilde verwandelten. Die dafür nötige Hypnose bestritt er mit irreführenden Scherzfragen. „Wie heißt die Maus, die auf zwei Beinen geht?“ Klar: „Mickey Mouse“. „Und die Ente, die auf zwei Beinen geht?“ „Donald Duck“, schallte es vielstimmig aus dem Saal und Oschmann konterte: „Neee, jede Ente geht doch auf zwei Beinen.“

Auch die weiteren Nummern, wie „Russisch Roulette mit Cola-Dosen“ oder Tricks aus der Mentalmagie waren spaßgeladene Attacken auf die bewusste Wahrnehmung. Entsprechend fasziniert verfolgten die Anwesenden, wie der gebürtige Bielefelder drei Herren auf die Bühne bat, diese sich den Orten Garten, Kamin, Sofa zuordnen mussten und Oschmann sie schließlich drei Umschläge öffnen ließ, in denen nicht nur die Namen der Männer, der jeweils gewählte Ort, sondern auch das in jeweils drei gleichaussehenden Kisten verborgene Getränk korrekt enthalten war.

Gut, wer bei dieser Show alle fünf Sinne nutzte, denn der Entertainer appellierte nicht nur, diese aktiv zu nutzen, er forderte sie auch regelmäßig heraus. Dementsprechend war auch bei seinen verbalen „Kunststücken“ äußerste Aufmerksamkeit gefragt. Witzig bis tiefsinnig erörterte er auf der Bühne Themen wie Jugendsprache („Check die Nudel Alter, wie war dein Wochenende?“), Ernährung („Mein Vater ist Gemüse nur, wenn meine Mutter böse guckt“) oder das Partyverhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit („In Bielefeld steht man halt rum und schwätzt nix.“).

Der geneigte Zuhörer erfährt dabei natürlich immer wieder Hilfreiches für den Alltag, beispielsweise wie er eingefleischte Fleischfans mittels Mett aus Reiswaffeln frustrieren kann, wie Frau lästige Bewerber dank des weiblichen Borstenswurms (der nach Entfernung des Gehirns zum Mann wird) in die Flucht schlägt oder warum es durchaus Sinn macht, Fischstäbchen und Katzenstreu über das Internet zu beziehen. Nicht fehlen durfte am Abend auch das Sinnieren über den einzelnen Schuh, dem Oschmann bei Autobahnfahrten regelmäßig begegnet.

Schon bei der Vorstellung des Herborner Hessentagspaars (die Oschmann moderierte) hatte er die Frage nach dem „Wie“ und „Warum“ aufgeworfen. Die Lösung ist so einfach wie verstörend, denn nicht der einsame LKW-Fahrer, der in Hoffnung auf den Nikolaus am fünften Dezember seinen Stiefel an den Fahrbahnrand stellt, ist der Grund, sondern die Existenz eines Paralleluniversums. Aus diesem stammt der „Single-Schuh“ und dort ist er untrennbar mit der einzelnen Socke, die auf immer in der Waschmaschine verschwindet, verbunden.

Die facettenreiche, wohl durchdachte, recht rasante und durchweg niveauvolle Show sorgte für wahre Begeisterungsstürme. Dieser immense Schlussapplaus veranlasste den zaubernden Comedian am Ende zu einer spontanen Liebeserklärung an das Herborner Publikum. Die Zugabe, die zugleich den tieferen Sinn des Programmtitels „Wort, Satz und Sieg“ offenbarte, führte dann nochmal vor Augen: Ingo Oschmann kann mit Worten nicht beschrieben werden, man muss ihn erlebt haben. In diesem Sinne endete die Attacke auf Lachmuskeln und Sinneswahrnehmung getreu dem Motto: „Er kam, entertainte und siegte.“

 

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

 

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