Ottfried Fischer 032aaa

Temperamentvoll, kraftvoll, gesten- und minenreich war der dritte Auftritt des Kabarettisten und Schauspielers Ottfried Fischer in der diesmal leider nur etwas mehr als halbgefüllten Kulturscheune.

Auf dem Programm stand seine Auseinandersetzung mit der „Wandogofilosofie“, eine kryptische Geisteswissenschaft, die sich über das Leben, die Liebe und die Angst vorm Daheimblieben auseinandersetzt. Musikalisch begleitet von den „Heimatlosen“, hinterließ Fischer bei seinen Zuhörern einige Irritationen, als er parlierend und singend Texte aus seiner Autobiografie „Das Leben – ein Skandal“ vortrug.

„Mich wundert’s, dass ich so fröhlich bin“, lässt sich der bärtige Ottfried Fischer vernehmen. Von Parkinson keine Spur - das gelegentliche Nuscheln, das verschlucken von Wortendungen gehört einfach zur Bühnenpräsenz des gewichtigen Bayern. Mit seinen fragmentarischen Exkursionen, für die er sich die exzellenten Musiker der Heimatlosen, bestehend aus Rich Laughlin (Trompete), Tobi Weber (E-Gitarre), César Granados (Percussion) und Leo Gmelch (Tuba), mit ins Boot geholt hat, begibt er sich ins „Brackwasser des Lebens, stets auf der Suche nach der Heiterkeit des Untergangs“.

Wenn auch nicht immer unangestrengt wirkend, Ottfried Fischer ist in seinem Element, Die Musiker greifen tief in ihre Melodien-Trickkiste, entlocken ihren Instrumenten wirre und verwirrend schöne Töne von Klassik, Rock, Jazz und Avantgarde. Wie die Bordmusiker der Titanic, die hier Aida heißt, geben sie dem gen Venedig strebenden Poeten die Plattform für seine gedichteten Wahrheiten und sein wahrhaft Geschichtetes.

Als Navigator durch das Dickicht der Gefühle, fordert er seine Zuhörer zu mehr Sensibilität und Mitmenschlichkeit auf, die angesichts vergangener und gegenwärtiger Untaten mehr denn je geboten scheint: „Neues Unrecht bringt das Wort und die Tat zeugt neue Täter“. Weniger der bissige Kabarettist, denn der Moralist Fischer kommt zu Wort, der sich nur selten mit dem von Fans geliebten Wortwitz und der von aktuellen Geschehnissen gespickten Scharfzüngigkeit an seine Zuhörer wendet.

Manchmal ernsthaft, manchmal lustig, mal melancholisch, meist jedoch eine Labsal der Nachdenklichkeit, bietet er Labsal für wundgescheuerte Seelen. Aus dem poetischen Fundus Ottfried Fischers breitet sich grenzenlose Ambivalenz des Leben aus, die Liebe und Zuneigung, aber auch Rachegedanken schürt, wenn er von einer Begegnung mit einem alten jüdischen Ehepaar berichtet, die sich mit Verachtung gegenüberstehen: „Wie schlimm muss es um eine Ehe stehen, wenn ein Jude seine Frau auf Deutsch verflucht?“

Ottfried Fischer operettet, hinter einem kleinen Tischchen stehend, die Welt und haucht dem Refrain von „Ruby Tuesday“ neues Leben ein. Allerdings nur, um letztlich mit ihm lächelnd zugrunde zu gehen. In feiner Prosa berichtet er über seine Jugend im Bayerischen Wald, erzählt von seiner ersten großen Liebe Uschi, die sogar den Mann „mit leichtem Hang zur Korpulenz“ unruhig werden lässt, „merken Sie’s?“...

Seine fragmentarischen Auszügen aus seinem Leben, fügt Fischer – via Video - den im flotten Soca-Rhythmus daherkommenden „Otti Dance“ hinzu: „I am Wandogo, I am the Champion“ singt er dann.

Es war ein schöner, ein unterhaltsamer, nachdenklich stimmender Abend, der ohne Schenkelklopfer auskommen musste. Und das war auch gut so.

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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