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Die Deutsche Kabarettmeisterschaft 2015 geht in die Endrunde. Und wie so oft kommt das Beste erst zum Schluss. Die sechste und vorletzte Runde bot in der KuSch zwei ganz heiße Anwärter auf das Podium.

Den Allgäuer Kabarettisten Maxi Schafroth - an der Gitarre begleitet von Markus Schalk – und Schlumpeweck-Gewinner Lars Redlich. Spielleiter Theo Vagedes, in den vorherigen Runden von Martin Guth (FaberhaftGuth) würdig vertreten, brachte das Publikum in der KuSch wie gehabt auf „Betriebstemperatur“. Derer hätten die Bewerber nicht bedurft, sorgten sie doch auf Anhieb für Momente der Heiterkeit und des Staunens über so viel verbalen und musikalischen Spielwitz.

Der erste Künstler in diesem Spitzenspiel war der aus dem tiefsten Allgäu kommende Kabarettist, Schauspieler (Tatort“) und Ex-Banker Maxi Schafroth, der köstliche Preziosen aus seinem Programm „Faszination Allgäu" ablieferte. Jung, schlaksig und gesegnet mit verschmitztem Charme sowie einer Stimme, die eines Joe Cocker würdig wäre, demonstrierte er, wie zeitgemäßes Kabarett, gepaart mit unverbrauchter und daher origineller Comedy, auszusehen hat.

Mit seinem musikalischen Partner Markus Schalk an seiner Seite, der auf seiner Allgäuer Westerngitarre den Blues zupfte, als läge Ottobeuren direkt hinter Memphis, Tennessee, sang und redete sich Schafroth buchstäblich um den Verstand – allerdings um den seiner Landsleute und den Touristen, die in sein Land kommen, wo sein Vater einen Hof mit Steilhanglage hat. Hier können sich gestresste Manager in Mut-Seminaren an Gletscherrändern in der Kunst des Loslassens üben oder aus Sauerteig Eurozeichen backen.

„Wir in Bayern bewegen uns“, wusste der Komödiant zu berichten und untermauerte seine Behauptung mit skurrilen, aber durchaus real erscheinenden Erkenntnissen über Horst Seehofer, der angeblich mit Conchita Wurst gesichtet wurde. Maxi Schafroth, der in einem kleinen Dorf im Allgäu aufwuchs, erzählte von den Entbehrungen, die man als Waldbauernbub erlebte, und wo man durch Laktoseunverträglichkeit zum Auswandern gezwungen wird.

Und Maxi, der bereits als Siebenjähriger mit dem Traktor auf Nebenwegen unterwegs war, um die Wiesen zu mähen - eine nicht seltene Erscheinung, die Touristen veranlasst zu glauben, dass Kinder hier die Landwirtschaft betreiben – überquerte eines Tages den Lech, die Grenzlinie zum reichen Oberbayern, um in München eine Banklehre anzutreten.

Und hier lernte er das Geschäft das großen Managements, das mit jeder Menge Anglizismen und noch mehr Lifestyle und ganz viel Biom gespickt ist: „Man trinkt Wasser nur noch aus Flaschen, die bei Vollmond abgefüllt wurden, sonst bekommt man einen Blähbauch.“

Mit Liedern wie „I Hob koi Luscht mehr“ oder den Mitsing-Hit „Mähen oder nicht mähen“, lehrte er allen Gecken und Weltverbesserern Mores. Zurück zum Duft der Gülle, lautete das Credo des Naturburschen, der die Rebellion schon mal in Form von grün gefärbten Haaren übte, und dafür von seinem Vater - glücklicherweise - mit einem Jahr Gottesdienstbesuch bestraft wurde.

Man kam aus dem Lachen und letztlich auch Nachdenken über so viel Chuzpe nicht heraus. Maxi Schafroth ist ein Knüller, ist wie Gerhard Polt, Karl Valentin und Herbert Achternbusch. Ein Troubadour menschlicher Abgründe. Brüllend komisch und gleichzeitig intelligent, gesellschaftskritisch und dabei enorm unterhaltsam, beeindruckend vielseitig und nie ganz ohne Selbstironie.

Der Musik-Comedian Lars Redlich ist in der KuSch ein alter Bekannter, der das Herborner Publikum nicht mehr von seine außergewöhnlichen musikalischen Bandbreite und seiner flotten Comedy-Kunst überzeugen musste. Mit flottem Tempo spielte und sang er sich durch ein Repertoire, das sowohl für Hardrocker, Romantiker, HipHopper als auch Opernfans geeignet war.

Für Männer, die von ihren Frauen ins Theater geschleift werden, statt zu Hause vor dem Fernseher Fußball zu schauen hat er ebenso die passenden Verse parat, wie über die Echtheit von Blondinen etc. („Ist das alles echt“). Einer einzelnen Socke, die ihren Freund in der Waschmaschine verlor, widmete er ebenso ein Lied wie der Liebe. Zur Ballade der Housemartins, „Caravan Of Love“, klimperte er sich durch die Musikgeschichte. Und mit der deutschen Übersetzung des Uriah Heep Klassikers „Lady In Black“ lieferte er die Erklärung für die vielen „Aaahs“ in dem Song ab: „Ich ess‘ so gerne Marzipan…verdammt, da war ein Loch im Zahn“.

Lars Redlich, der sich bei seiner „Carmen“-Adaption bis in die höchstem Tonlagen verstieg und mit Kerstin aus dem Publikum, die als Beat Box („Butzkatze“) fungierte, einen spontanen HipHop-Titel kreierte, hatte alles gut gemacht und dennoch den Contest knapp verloren. Nach der Auszählung hatten Maxi Schafroth und Markus Schalk mit 56 Prozent der Stimmen knapp die Nase vorn.

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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