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Nach der ausverkauften Premiere war auch die zweite Vorstellung des neuen 16+-Stücks "Gerüchte, Gerüchte" am Ostermontag mehr als gut besucht und das Publikum am Ende der Aufführung restlos begeistert.

Die Geschichte ist ebenso einfach wie kompliziert: Der stellvertretende Bürgermeister von New York und seine Gattin haben zur Feier ihres zehnten Hochzeitstags geladen. Die Schar der hochkarätigen Gäste findet sich nach und nach ein. Allein, die Gastgeber sind ein wenig unpässlich. Während der Politiker mit angeschossenem Ohrläppchen und valiumbenebelt im Schlafzimmer festsitzt, sind die Angestellten wie die Herrin des Hauses gleich ganz verschwunden und das Festessen harrt in der Küche unzubereitet der Dinge, die da kommen.

Keine Frage, nun liegt es in der Hand der geladenen Ehepaare, die Situation zu meistern, und die lassen nichts unversucht, um den drohenden Skandal zu vermeiden und dabei gleichzeitig herauszufinden, was denn eigentlich passiert ist. Das Spiel aus Missverständnissen, inszenierten und tatsächlichen Verwechslungen nimmt seinen Lauf. Gerüchte sind dabei die treibende Kraft.

Die Ende der 80er Jahre uraufgeführte Boulevardkomödie des populären US-Dramatikers Neil Simon hat es in sich und es ist mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen, die feinsinnigen Pointen wie die Situationskomik des meisterhaften Boulevardtheaters auf der Bühne umzusetzen. Die Mitglieder des „Jungen Ensembles 16 +“ haben sich dieser Herausforderung gestellt und es dabei geschafft, eine durchweg gelungene Adaption des Stücks in der „KuSch“ aufzuführen.

Dies liegt nicht zuletzt an der hervorragenden Regiearbeit von Sarah Junker und Jonas Wogenstahl. Rasante Dialoge, bisweilen skurrile Gestik und schnell aufeinanderfolgende Pointen halten während der gut zweieinhalb Stunden dauernden Aufführung die Spannung aufrecht. Gut inszeniert sind sowohl die sich im Lauf der Handlung immer mehr zuspitzenden Verwicklungen als auch die sehr kuriose Auflösung am Ende des Stücks. Dabei bietet die von Jonas Wogenstahl entworfene sowie von Michael Krüger und dem Ensemble sehr detailreich gestaltete Wohnzimmerkulisse den perfekten Hintergrund.

Die dramaturgische Entwicklung gelingt aber vor allem durch das überzeugende Spiel der Darsteller. So brilliert Dominik Visca als Ken Gorman, der die Misere des Hausherrn als Erster entdeckt und zunächst die Fäden des illustren Versteckspiels in der Hand hält. Im Laufe der Handlung avanciert die Figur dann vom Strippenzieher zur Slapstick-Nummer, denn: Beim Hantieren mit der „Tatwaffe“ löst sich ein Schuss und Visca in der Rolle des Ken Gorman stapft nun halb taub durch die Kulisse und sorgt mit seinen grotesken „Verhörern“ für reichlich Komik.

Miriam Peuser als Kens Gattin Miriam meistert ihre Rolle als mit der Situation überforderte „Dame von Welt“ ebenso wie Eva-Marie Krüger als Claire Brown, die es versteht, die verwobenen Fäden der Geschichte noch stärker zu einem undurchsichtigen Geflecht zu spinnen. Auch Ehemann Leonard Brown hilft tatkräftig mit, das Spiel aus Lügen und Gerüchten voranzutreiben und Lukas Winkler spielt diese Rolle mit seinem ganz eigenen Charme.

Für jede Menge aberwitziger Action sorgt in der Komödie das leicht verschrobene Ehepaar Cusack. Die Starköchin und den Analytiker verkörpern Livia Warch und Christopher Großmann mit unnachahmlichem Witz. Spielerisch in Hochform zeigen sich zudem Fabian Herr und Anne-Sophie Wendland. Die beiden komplettieren als ambitionierter Politiker, dem sein guter Ruf über alles geht, und dessen zickige, esoterisch angehauchte Gattin die Gästeschar. Diese muss sich am Schluss nicht nur mit ihren eigenen kleinen Querelen und Problemen, sondern auch noch mit der Polizei auseinandersetzen.

Und selbst die „Ordnungsmacht“ weiß angesichts der chaotischen und widersprüchlichen Flunkerein bald nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Doch Officer Benedict Welch (sehr treffend von Max Bierbach verkörpert) kann glücklicherweise von Leonard Brown besänftigt werden. Letzterer gibt sich nämlich kurzerhand als Gastgeber aus und tischt dem Polizist, wie könnte es anders sein, eine haarsträubende Geschichte auf, die dieser zwar keineswegs glaubt, die ihm aber gefällt.

Das Publikum lernt bei alldem am Ende, dass Schein und Sein in der Welt der „Schönen und Reichen“ bisweilen sehr nahe beieinander liegen. Das Stück wird noch am heutigen Mittwoch sowie am 10. und 11. April jeweils um 20 Uhr in der „KuSch“ zu sehen sein. Karten gibt es im Vorverkauf bei Optik Tafelski in Herborn, Telefon: (02772) 2889; in der Dillenburger „Musicbox“, Telefon: (02771) 24467 und im Internet unter der Adresse: www.kusch-herborn.de sowie an der Abendkasse.

 

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

 

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