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Michael Altinger begeisterte sein Publikum in der Herborner KuSch. Dabei spannte der aus Bayern kommende und folglich auch mit dem typisch bissigen Wortwitz gesegnete Altinger in seinem Programm einen weiten Bogen.

Der reichte vom Kabarett bis hin zur Comedy. „Ich sag´s lieber direkt“, dem Motto seines Programms blieb er am Abend treu und fesselte seine Zuhörer gleich mit einem irrwitzigen Drohanruf: „Eines Tages wirst du bereuen, dass du ha(s)st, was du has(s)t!“ Während das Gehirn noch an einer korrekten Version des Satzes arbeitete, von der banalen bis zur philosophischen Deutung alle Möglichkeiten durchspielte, machte Altinger schon klar, dass es ihm um diese Frage gar nicht so dringlich bestellt war, sondern viel mehr darum, wer ihn denn da angerufen habe.

Ein gelungener Auftakt für ein Programm, das ebenfalls im Großen und Ganzen überzeugte und beim Publikum für regelrechte Lachsalven sorgte. Der Bayer, dessen „Gemächt“, angesichts moderner Kommunikations- und Medientrends gerne mal zu läuten anfängt, punktete vor allem in der ersten Hälfte des Programms mit bissigem und tiefgründigem Wortwitz. E-Books findet er beispielsweise überflüssig: „Ich will kein als ob, ich will das Original.“ Er habe auch noch nie das Bedürfnis verspürt, auf Reisen zwei Millionen Romane zu lesen, insofern reiche auch das Taschenbuch im Koffer.

Aufs Korn nahm er auch Eltern, die ihren Sprösslingen ein Smartphone der Oberklasse zu Weihnachten schenken („Dafür bekommt er ja sonst nichts.“) und dies mit dem pseudo-fürsorglichen Argument begründen: „Dann kann er uns erreichen, falls mal was ist“. Auch die Generation U25 bekam ihr Fett weg: Alles erreicht mit Mitte 20, mit 16 schon die Midlife-Crisis absolviert und zudem mit enormen Selbstbewusstsein ausgestattet. Er selbst sei mit 18 ja auch ein „Depp“ gewesen, aber er habe gewusst: „Ich bin ein Depp.“ Allgäu-Krimis, Networking sowie die drei dümmsten Kinderbücher, die je geschrieben wurden (und die verantwortlich für eine ganze Generation selbstsüchtiger Banker und Manager oder Panamisten-Spießer sind), Altingers Themenpalette ist vielfältig. Bei seinen Witzen wechselte er dabei immer wieder vom hohen kabarettistischen Niveau zur ein oder anderen Comedy-Einlage.

Beides kam beim Publikum, das er schon in den ersten Minuten für sich gewinnen konnte, gut an. Garniert wurde das Programm immer wieder mit Erzählungen aus seinem Heimatort „Strunzenöd“, in dem die Tante Augenie, eine begeisterte Anhängerin des Rokoko-Katholizismus, mit espressomühlenartigen Bewegungsgeräuschen darüber wacht, dass Moral und Anstand in Bayern bleiben, oder kuriosen Geschichten vom Indianer Häuptling Sitting-Transit-Bereich, der auf einem Atlantik-Flug seine Seele verloren hat.

Das Strunzenöd-Personal und der Häuptling sorgten dabei für den roten Faden, der sich konstant durchs Programm zog und bei dem die zweite Hälfte leider etwas schwächer als die erste war. Trotzdem gab es auch hier noch genug Höhepunkte, die beim Publikum die Lachmuskeln auf Betriebstemperatur hielten, beispielsweise wenn sich Altinger aus „Versehen“ ein Glas Wasser übers Hemd kippte, bei der Zugabe freimütig die Hosen fallen ließ oder den einen oder anderen ein wenig angestaubten Kalauer, wie das Reiseziel „Gen-Italien“, zum Besten gab. Er tat dies in der KuSch zum Glück auf seine ganz eigene, charmant-bayerische Art, durch die die humorvolle Stimmung erhalten blieb.

Erwähnt werden müssen auch die wirklich großartigen Musik-Einlagen, die nicht nur sehr lustig, sondern musikalisch auch durchweg hörenswert waren. Pop- und Rock-Klassiker werden bei Altinger kurzerhand zu Abhandlungen über tödlich misslungene, weil falsch verstandene Beckenbodengymnastik oder zur Entdeckung der Langsamkeit, wenn einen der eigene Schatten überholt. Großartig zudem die Begleitung an Piano und Gitarre durch Martin Julius Faber, der übrigens mit für das Programm verantwortlich zeichnet. Faber wirkte ferner, wenn auch im Hintergrund der Bühne kaum wahrnehmbar, am Gelingen des Programms mit.

Wer es schaffte, sich von der Präsenz Altingers auf der Bühne zu lösen und Faber ein wenig Aufmerksamkeit schenkte, konnte erleben, wie dieser mit zwar unbeweglicher Mine, aber dennoch äußerst ausdrucksstarker Mimik das Bühnengeschehen kommentierte. Dadurch verstärkte er den altingerschen Witz durchaus. Mit einem gelungenen Finale, das die eingangs gestellte Frage nach dem mysteriösen Anrufer mit einer Glanzpointe auflöste, fand der Abend seinen Höhepunkt, für den gilt: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist – allein, Altinger gab noch zwei Zugaben. Das Publikum nahm auch diese mit großer Begeisterung und viel Applaus hin.

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

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