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Bis auf den letzten Platz besetzt war die Kulturscheune, wo in der „Vip Vip Hurra!“-Show Jörg Knörzum zweiten Mal in Herborn seine universelle Fähigkeit als Comedian, Parodist, Sänger und Karikaturist unter Beweis stellte.

Original in Gestik, Mimik und natürlich im Tonfall, ließ der routinierte Entertainer die schöne, reiche und eitle Prominenz der Republik Revue passieren – allerdings nicht immer originell und obendrein oft allzu schlüpfrig.

Jörg Knör ist immer up to date, das bedeutet Schnelligkeit, und so zünden etliche Reime und so manche Pointe halt eben im Spaßkeller. Auf der KuSch-Bühne, die der Wahl-Hamburger aufwendig in ein von der Speicherstadt eingerahmtes TV-Studio mit typischer „Late-Night“-Kulisse verwandelt hat, gibt er den Don Quixote, der munter gegen den schönen Schein von Glanz und Glamour anstinkt.

In seiner VIP-Show, die nicht nur für „Very Important Persons“, sondern auch „Verarbeitet in Parodie“ steht, lässt Jörg Knör nichts und niemand aus. Via Großbild-Monitor werden all die Personen und Persönlichkeiten vorgestellt, die der Entertainer parodierend, singend und mit Zeichenstift aufs Korn nimmt. Til Schweiger („Die Klitschkos mit Mundschutz kann man besser verstehen als ihn“), Bernhard Grizmek, der demnächst, gespielt von Ulrich Tukur, Wiederauferstehung im Fernsehen findet, und „Hasta, la vista Baby“-Arnold Schwarzenegger, sind die ersten Opfer seiner komisch-satirischen Nachahmungen. Leichte Kost für Knör, der auch die letzten Päpste mit segensreicher Stimme imitiert oder „Prass-Prediger“, wie Tebartz van Elst vorführt, der nur deshalb 31 Millionen für seine Residenz ansparen konnte, weil er keine Frau hat.

Mit cooler Sonnenbrille, noch mehr Gezische und Getucke verarztet der Comedian die so genannte Creme der deutschen Unterhaltungsindustrie: Karl Dall, Bruce Bruce Darnell, Dieter Bohlen und Heino, der, raus aus der Gruft befördert, zum „Comebäcker" wird. Nicht alle, die Jörg Knör durch den Wolf dreht, geben genügend Stoff für vortreffliche parodistische Überzeichnungen her. Manche Figuren gehen in einem Sumpf aus Kalauern und Zoten unter. Boris Becker und sein „Blasebalg“, Lästermaul Désirée Nick, die Klaus Wowereit fürs „Dschungelcamp“ vorschlägt, Modepapst Karl Lagerfeld oder der alle Zähne oben im Mund tragende Wolfgang Joop, gehen als Parodie ihrer selbst durch wie Schwergewicht und „Sperrgut-Flieger“ Reiner Calmund. Ihn lässt Knör sagen: „Dass man im Flugzeug immer vorn sitzen sollte. Bei einem Absturz kommt der Getränkewagen wenigstens noch einmal vorbei“.

Jörg Knörs Entertainment widmet sich nicht nur den Chargen des Entertainments, sondern auch den Figuren aus Politik und Zeitgeschehen. „Rohrverleger“ Gerhard Schröder besingt seinen Männerfreund Wladimir mit dem Lied „Ohne Krim, da geht der Putin nicht ins Bett". Vor Ursula von der Leyen steht die BW-„Leyenspielgruppe“ stramm, und die Problemzonen von Angela Merkel werden mit gequälter Mimik und den Händen zur Raute gefaltet parodiert: Griechenland und ihr Outfit. An Letzterem kann auch ein Karl Lagerfeld alias Knör nichts machen: „Merkel und die Mode, das spannt in Grün.“

Die Nummernrevue des Jörg Knör währt lang und ausdauernd. Alle müssen ran, von Costa Cordalis über Mario Barth, „Volks-Rock’n’roller" Andreas Gabalier, („I bin zu blöd für di“), Howard Carpendale bis zum unvermeidlichen Udo Lindenberg. Und auch die Klassiker von einst, wie Franz-Josef Strauß, Willy Brandt, Inge Meysel und Heinz Erhardt erleben eine kurze Wiederauferstehung. Für Helmut Schmidts intime Bekenntnisse, dass er eine Affäre mit einer anderen Frau hatte, verräuchert Knör die KuSch-Bühne und gibt Peer Steinbrück als Seitenhieb noch eins hinten drauf, als er Schmidt sagen lässt: „Ich kann durch Reden bestechen, der Peer lässt sich fürs Reden bestechen.“

Atemlos, wie Helene Fischer, bot Jörg Knör dem Herborner Publikum beste Unterhaltung. Nicht immer stil- und treffsicher, aber das kann man von dem Personal, das er parodierte, auch nicht immer verlangen.

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

helmut-blecher

Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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