Februarslam016

Poetik vom Feinsten erlebten die Zuhörer beim sechsten Scheunen-Slam in der wieder bis auf den letzten Platz besetzten KuSch. Dabei mussten sich die Teilnehmer dieses Mal einer harten Publikumsjury stellen.

„Aida“ hatte am Ende die Nase vorn und holte mit seiner humorvollen und zugleich nachdenklichen Art bereits zum zweiten Mal den Sieg. Dabei musste der Erfurter gegen namhafte Kollegen antreten: Neben den Lokalmatadorinnen Lula Leitloff und Livia Warch waren die Slam-Größen Wehwalt Koslowsky und Adina mit von der Partie und stritten mit ausgefeilten Wortkompositionen um die Dichterkrone.

Das Moderatorenduo Sascha Kirchhoff und Marco Michalzik erklärte den anwesenden „KuSch“-Gästen nochmal kurz die Regeln: Jeder der zehn Kandidaten musste im Rahmen eines Zeitlimits einen selbst geschriebenen bzw. selbstgedichteten Text vortragen. „Dabei dürfen sie nicht mit Hamstern jonglieren“, witzelte Kirchhoff. Eine aus dem Publikum spontan gewählte Jury vergab dann Noten von eins bis zehn. Von den insgesamt fünf Wertungen wurden - wie üblich - die schlechteste und die beste gestrichen.

Die fünf Juroren aus dem Publikum machten es den Slammern diesmal allerdings nicht einfach und werteten insgesamt recht streng. Das bekam gleich die erste Poetin zu spüren: Adina aus Wien erklärte: „Ich mag Züge“. Trotz einer guten Performance bekam sie dafür von der Jury am Ende nur 20 von 30 möglichen Punkten. Tabea Reinelt aus Marburg malte Bilder mit „Farben und Gefühlen“. Politisch nicht immer ganz korrekt, dafür aber extrem witzig nahm Jan Schmitt aus „Wülfrath bei Wuppertal“ das Studentenleben aufs Korn. „Hörsaal-Flucht aus Hochangst“ diagnostizierte er sich selbst und für alle, die nicht wussten was Hochangst ist, erklärte er: „Das ist wie Höhenangst – nur von unten.“ Von der Jury gab es dafür leider nur 23 Punkte.

Sven Hensel aus Gelsenkirchen konnte mit seinem eindrucksvollen Plädoyer für die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Beziehungen, in der er fragte ob „Flugzeuge in der Nacht zu Sternschnuppen werden“, deutlich mehr Punkte ergattern. „Ich hab da was gehört…..“ begann Tristan Kunkel aus Siegen seinen Vortrag. Wortgewaltig und nachdenklich-machend zerpflückte er die von Organisationen wie „PEGIDA“ gestreuten Angstvorurteile gegen Einwanderer und Religionen.

Tino Bomelino aus Stuttgart haderte mit seinen „Begrüßungsängsten“: „Wenn ich jemand mit Rucksack treffe, muss ich dann den Rucksack mitumarmen?“ Als letzte Dichterin der Vorrunde trat Lula Leitloff auf und sprach über das Dasein als Individuum zwischen Fans von Grünkern-Bratlingen und „RTL2“-Gesellschaft.

Ins Finale schafften es neben „Aida“ schließlich Wehwalt Koslowsky aus Berlin sowie die Herbornerin Livia Warch. Alle drei hätten den Sieg verdient gehabt: Wehwalt, der bei seinen Vorträgen immer an ein poetisch besessenes Rumpelstilzchen erinnert, hatte sich im ersten Durchgang Schillers „Lied von der Glocke“ angenommen. Dieses verwandelte er mittels des ganz normalen Sprachwahnsinns in eine „Ode an alle Pubertanten und Pubertantinnen“: „Festgebacken im Gesichte, prangt das Horn in Talg gebannt.“ Nach dem Werk über „Facebuckel“ gab Koslowsky im Finale dann ein „neodadaistisches Sprachkunstwerk“ zum Besten. Die rasante Wortakrobatik um „Gitti, Fitti und Litti“ mit viel „Nitti-Titti“ bescherte ihm schließlich den dritten Platz.

Livia Warch fand in der Vorrunde alles „Scheiße“ und konnte sich dort mit ihrer amüsanten „Asso-Performance“ gegen die punktgleichen „Gegner“ Tabea Reinelt und Sven Hensel durchsetzen. In der Endrunde trug sie ihre persönliche „Wunschliste für das Älterwerden“ mit dem Titel „Wie werde ich sein, wenn ich alt bin?“ vor. „Gebisspaste klauen“ und „wetten, wer in der Nacht als erster das Bett einnässt“, das wäre schön, doch die harte Realität sieht auch für sie anders aus, befürchtete Livia. Ein großartiger Text, der ihr zu Recht den zweiten Platz sicherte.

„Aida“ hatte sich als Berufsjugendlicher zunächst mit der Jugendsprache befasst und war zum Schluss gekommen: „Wer die Sprache hat, hat den Schlüssel. Wir haben den Schlüssel verloren.“ Im Finale folgerte er kühn, dass Kunst definitiv von Können kommt, denn „käme das Wort von Wollen, dann müsste es Wulst heißen“. Mit einem kleinen dazugehörigen Balletttanz, der fast die Regel vom „Hamster-Jonglieren“ verletzte, schipperte das in Hommage an eine Oper benannte, dichtende Kreuzfahrtschiff „Aida“ (wobei der Name auch als Akronym/Kurzwort für ein Werbewirkungsprinzip steht) dann zum durchweg verdienten Sieg.

Den Preis, einen vom Publikum mit „Allerlei“ gefüllten Jute-Beutel, nahm der Erfurter strahlend und mit den Worten: „Toll, ich wollte schon immer so eine Tasche haben“, entgegen.

 

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

 

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