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Ein gut besuchtes Haus, wie schon an den vorherigen Wettbewerbstagen um die Krone des Deutschen Kabarettmeisters, konnte die Kulturscheune vierten Spieltag der Saison 2014/2015 vermelden.

Martin Guth vom Duo FaberhaftGuth, der sich in der Rolle als Interimstrainers und Conférencier mittlerweile bestens eingefügt hat, konnte zwei Acts ankündigen, die sich mit feinsinniger Ironie, galliger Comedy, voluminöser Sangeskunst und vollem Körpereinsatz in Szene setzten.

Holger Edmaier, norddeutscher Flachländer mit Wohnsitz in Stuttgart, ist ein Komiker und Musikkabarett, der sich auf präzise Alltagsbeobachtungen versteht, ohne sie mit purem Klamauk zu verwursten. Der junge Mann mit dem kurzgeschnittenem Bart erweist sich als ein mit viel Sinn für Wortwitz und Achtzigerjahre-Nostalgie, die er mit herrlicher Mimik und spritziger Musikalität auftischt.

Holger Edmaier parliert über den Sinn und den Unsinn des Lebens in unserer modernen Gesellschaft, die nur noch von Bekloppten für Bekloppte gemacht ist. Die Bühne der Kulturscheune zur Gänze ausfüllend, singt er sich mit Udo Jürgens‘scher Lyrik durch das gefährlich-intensive Nachtleben und sinniert über das nicht immer erfreuliche Dasein einer Fleischereifachverkäuferin.

Da träumt er doch lieber von der Welt, in der man das Leben noch als Pippi-Langstrumpf-Abenteuer erleben konnte. Für Blessuren gab's Jod und fürs Prickeln im Schritt die Wollstrumpfhose. Edmaier blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück in die Zeit seiner Kindheit, als uns noch die „längst mit Wolfram durchgebrannte“ Glühbirne beschien, die er mit sehnsuchtsvoller Inbrunst besingt. Und nicht minder wehmütig bricht er eine Lanze für den guten alten Schlager, der bei ihm allerdings ohne verklebte Romantik daherkommt: Roland Kaisers „Santa Maria“ outet der Comedian als Werbe-Jingle für exotischen Sex-Tourismus. Die Italo-Popper Al Bano und Romina Power lässt er „Ach, leck' mich am Arsch“ trällern und Howard Carpendale serviert er als eitlen Geck ("Du bist so gut!")

Noch schneller als Edmaier, komplett auf Speed gepolt, kommt der in Köln lebende Schwabe Thomas Müller daher, der wie sein fußballernder Namensvetter seine Spielbälle treffsicher im Netz –allerdings der Komik – versenkt. Lustvoll, stets den Schalk im Nacken, weidet sich der ehemalige Sportlehrer mit akrobatischer Gelenkigkeit an seinem ganz persönlichen Alltagswahnsinn und legt ganz nebenbei den Finger auf die Wunden der Gesellschaft und der Politik.

Beim Berliner Flughafen sieht er unfähige Baulöwen am Werk, die Hoch und Tief miteinander verwechseln und Tankhähne ohne Leitungen bauen. Thomas Müller sieht allüberall das Chaos heraufziehen: marode Brücken auf der A 45, das im Untergrund versinkende Projekt „Stuttgart 21“ oder die Fehlfunktion von Zugtoiletten. Den großmäuligen aber nichts wissenden Checkern setzt er in seinem "Checker-Song" ein Denkmal und räsoniert nebenbei über die Gewissheit, dass die Menschheit heute noch kein Feuer machen könnte, wenn es diese Spezies damals schon gegeben hätte. Und mit einem launischen Aufgalopp rund um die Pferdedressur sammelt Thomas Müller beim Publikum weiter fleißig Punkte.

Am Ende ging er dennoch nur als zweiter Sieger durchs Ziel. Holger Edamier, der als Zugabe noch ein mit slawischer Folklore gefärbtes Liebeslied zum Besten gab, war wie Thomas Müller echt komisch, einfach direkt und herrlich charmant.

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

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