Bundesliga3005

Ziemlich ausverkauft war sie, die Kulturscheune. Und ziemlich gut waren die Comedy-Shows von Roberto Capitoni und Klaus Renzel, die die 3. Herborner Runde der Deutschen Kabarettmeisterschaft 2014/15 gestalteten.

Zumindest was den Spaßfaktor anbelangte. Schrill und schräg war die Mimik, rasant war das Tempo der italienisch-schwäbischen Familiengeschichte von Roberto Capitoni, die er mit sattsam bekannten Jokes schmückt. Von einem anderen Kaliber war die schlangenhafte Behändigkeit von Klaus Renzel, der sich mit nicht minder behändige Saitentechnik und einem Satz großer und kleiner Pömpel (Saugglocken) durch die unterschiedlichsten Musik-Genres spielte.

Nachdem Martin Guth (FaberhaftGuth), der bereits zum zweiten Mal den Kabarettbundesligaspielleiter Theo Vagedes vertrat, die Besucher auf die Acts des Abends eingestimmt hatte, gab sich Roberto Capitoni, den man in der KuSch bereits als Endrundenteilnehmer des Herborner Schlumpeweck 2013 kannte, die Ehre seiner unüberhörbaren Präsenz.
Schneller, lauter und schriller als noch im vergangenen Jahr parlierte und grimassierte er sich durch seine Lebens- und Erfahrungswelt, die alle Klischees von Amore, La Famiglia, Mafia, schwäbischem Geiz, großen Blondinen und kleinwüchsigen, aber feurigen, temperamentvollen Südländern trefflich bediente.

Die Lacher hatte der in Koblenz lebende Roberto Capitoni auf seiner Seite, wenn er seinen Onkel Luigi in der Pose und der Sprache des Film-Paten "Don Corleone" karikierte, oder wie ein reinkarnierter Louis de Funès brüllte, zuckte und zappelte. Zwischen italienischem Macho und korrektem, aber langweiligem Schwaben changierend, sammelte er beim Publikum fleißig Punkte für nicht ganz neue und leidlich originelle Witze, die dennoch gerne genommen wurden.

Als unermüdlicher Kämpfer für großen Humor in den Kulissen der Kleinkunst, ließ Roberto Capitoni nichts aus, um für Stimmung zu sorgen. Ob als „Wackeldackel“ im Fond des nach Italien fahrenden, überbesetzten Familienwagens oder als Motivationstrainer für gestresste Urlauber und sächsische Pizzeriabesucher, der Comedian verstand es, sich effektvoll in Szene zu setzen. Und als Zampano im bunten „Electro Man“-Kostüm gab er abschließend kuriose Zauberkunststücke zum Besten, die den Spaßpegel noch einmal mächtig nach oben schraubten.

Von anderem Kaliber war der zweite Act des Abends, der Pantomime, Clown und Musiker Klaus Renzel. Mit Gitarre und jede Menge seltsamsten Instrumentariums schwebte er im Zeitlupentempo über die Bühne und bewies dabei eine absolute Körperbeherrschung. Und zwischen Jimi Hendrix und Charlie Chaplin changierend, klampfte sich in einem wilden Mix aus heißem Flamenco, heiterer Klassik, verspieltem Pop und geplanter Planlosigkeit einmal quer durch die Musikgeschichte.

Mit Ludwig van Beethovens „Fünfter“ und „Für Elise“, welches er Anke aus dem Publikum widmete, zauberte der große Klaus nicht nur furiose Klänge aus großen und kleinsten Gitarren. Mit Castagnetten auf dem Kopf zupfte er eine feurige Malaguena und jagte mit verzerrtem Gitarrengejaule den Woodstock-Auftritt von Jimi Hendrix durch einen Mini-Verstärker.

Den Klassiker „House Of The Rising Sun“ sang er rückwärts und den Karneval in Rio quetschte er mit Rumbrasseln auf der Glatze aus einem Bandoneon. Klaus Renzel hielt nur zu gerne den Kopf hin für Pömpel aller Art, um mit höchstem Nonsensfaktor virtuose Musikalität, zeitgemäße Pantomime und clowneske Verschmitztheit unter die Leute zu bringen. Ob Hardrock oder Country & Western, dessen Entstehungsgeschichte er mit originellen Gitarren-Riffs erläuterte, stets war ihm ein zustimmendes Olé des Herborner Publikums sicher.

Am Ende reichte es für Klaus Renzel dennoch nicht für den Tagessieg. Mit 53 Prozent der Stimmen ging Roberto Capitoni bei der 3. Runde um die Krone des „Deutschen Kabarettmeisters“ durchs Ziel.

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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