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„Alles ist nie genug!“ heißt das Programm des studierten Pantomimen und Kabarettisten Christoph Sieber, der in der Kulturscheune für eine Sternstunde im zehnjährigen Programm des Kleinkunstempels sorgte.

Zorn und Humor, große Weltschau und kleine Alltagsbeobachtungen mit großer Wirkung, drückte er in rasendem Tempo und mit bitterbösem Humor seiner Zuhörerschaft aufs Auge und ans Ohr.

Und die konnte in der Tat nicht genug von seiner Mischung aus spitzzüngigem Politkabarett und grandioser Komik, kombiniert mit Tanz, Gesang, Jonglage und mimischer Grandezza, bekommen. Der gebürtige Schwabe geizte nicht mit unbequemen Wahrheiten und zynischen Erkenntnissen über die Dummheit und Ignoranz der Entscheidungsträger aus Politik und Gesellschaft, die geradewegs auf den Untergang der Zivilisation zusteuern.

Religion, kam bei Christoph Sieber nur peripher vor, so dass mit Beschwerden, Klagen oder militanten Attacken auf seine körperliche Unversehrtheit und die seiner Zuhörer nicht zu rechnen war. Und vom Politpersonal – allen voran Angela Merkel – wird der Kabarettist sowieso nicht behelligt. Clowns und Narren halten sich schließlich auch Despoten.

„Die Demokratie wird verteidigt mit den Mitteln der Diktatur“, so Sieber, der wider die Lüge und Desinformation in Sachen Ukraine, TTIP, NSA, EU und Asylpolitik mit harschen Worten angeht. Er weiß aber auch, dass man in der hochtechnisierten, medial total vernetzten schönen neuen Welt mit diversen Fürzen als Klingelton auf Trab gebracht wird, nicht mehr mitbekommt, was wirklich abgeht. Seinem erkenntnisreichem Tiefgang setzt der vielseitige Entertainer genussvolle Hochkomik entgegen, getreu seinem Motto: „Die Welt geht unter, da muss man flexibel sein“.

Und flexibel musste auch das Publikum sein, das mit Christoph Sieber einen großartigen „Kleinkünstler“ vor sich hatte, der das kabarettistische und komödiantische Handwerk perfekt beherrscht. „Das Leben ist eine Kunst, in der es zu viele Dilettanten gibt“, ließ uns der in Köln lebende Kabarettist wissen, der all den Gaucks, Schäubles und von der Leyens, die den Krieg an der Heimatfront vehement anfachen, die Leviten las.

„Man muss den Menschen wieder Hoffnung machen“, hält das Energiebündel entgegen, und erweist sich gleichzeitig als Prophet des Untergangs: „Ich hoffe, ich konnte sie beunruhigen“ und setzt der Banalität des Bösen den Zorn entgegen, um gegen die kollektive Verblödung und Maßregelung anzubrüllen: „Der Zorn ist out. Er ist in einem Meer der Gleichgültigkeit untergegangen.“

Die Themen die Christoph Sieber mit Verve, Witz und Klarheit anschneidet, spiegeln unser modernes Leben zwischen Anpassung, Neid und Gier. Pure Poesie, wie bei seiner Beschreibung einer Bahnfahrt, die wie eine Metapher auf die Weihnachtsgeschichte ist, wechselt sich mit „lustigen Teilen“ ab, die nie zu purem Nonsens verkommen, sondern von intensiver Lebenserfahrung zeugen.

Auch als HipHop-Checker versuchte Christoph Sieber die Verhältnisse zwischen alt und jung, arm und reich etwas zu sortieren und zurechtzurücken. Und schlussendlich machte er uns Hoffnung auf eine schöne Adventszeit in den Fußgängerzonen. Das kann ja heiter werden!

 

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

helmut-blecher

Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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