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Ein bühnentechnisches Gesamtkunstwerk, eine musikalische Fachfrau für Säge und Gesang oder – wie sie selbst es bezeichnet – eine „Kapazität für bodenständige Zerknirschungsdynamik.“

Kurzum: Nessi Tausendschön hinterließ bei ihrem zweiten Auftritt in der Kulturscheune ein am Ende begeistertes Publikum, in dem sich manch einer zu Beginn jedoch – im Sinne der Künstlerin - gefragt haben dürfte: „Was will uns denn die Schabracke dort oben sagen? Und dafür haben wir bezahlt?“

Wohlgemerkt: Sätze, mit denen die Powerfrau, die zwischen kindlichem Unsinn, zivilem Ungehorsam, virtuoser Musikalität und messerscharfem politischen Kabarett changiert, gerne selbst auf der Bühne kokettiert.

Natürlich geht es in ihrem Programm „Die wunderbare Welt der Amnesie“ nicht um die medizinisch-biologische Aufarbeitung der Demenz, sondern um das „Verdrängen und Vergessen“ – und zwar im Kleinen wie im Großen und Ganzen.

Etwa dann wenn Nessi Tausendschön, begleitet vom kongenialen kanadischen Gitarristen William MacKenzie, den Medien („Eine geballte Amnesie-Maschine“), aber auch der Berliner Hauptstadt-Elite („Politik ist wie eine Orgel mit den passenden Pfeifen“) die Leviten liest und weiß: „Wenn die Politiker unten sind, fressen sie uns aus der Hand. Wenn sie oben sind, scheißen sie uns auf den Kopf.“

Von Politikerkrankheiten wie den „Niebel-Lungen“ oder dem Lächeln von Ursula von der Leyen („Das ist wie der Beton-Sarkophag von Tschernobyl“) springt das Energiebündel („Künstler auf der Bühne – das ist wie ein einziger Schrei nach Liebe“) thematisch zum ganz Kleinen, wenn sie kommenden Generationen, sprich Kindern mit Blick auf das Kondom mit auf den Weg gibt: „Wer in der globalisierten Wirtschaft überleben will, der darf sich doch von einer Gummiwand nicht aufhalten lassen!“

Und als Ludmilla aus Kasachstan deckt sie dann schonungslos die Widersprüchlichkeit der Deutschen auf, die sich zwar nach ursprünglicher Natur und Traditionen sehnen, aber von Manufaktum sollte es dann doch schon sein. „Wir vergessen, wir vergaßen, wir haben vergast“ – da bleibt so manchem Besucher das Lachen im Halse stecken, wo es die Künstlerin aber kurz darauf wieder hinaus zaubert. Denn wenn sie klar macht, dass das Vergessen durch den Neandertaler-Mann in die Welt kam, zur Bestätigung noch einen Testosteron-Ausdruckstanz hinterher schiebt, um dann doch ihre beste Freundin Ariane mit einem Gassenhauer („Fahr‘ zur Hölle“) zu verabschieden, dann ist klar: Die Welt ist eben wunderbar. Und irgendwie sind wir doch alle ein bisschen Nessi…

(Fotos: Uli Goßmann + Gert Fabritius)

 

 

 

 
Autor
Jörg Michael Simmer

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Jörg Michael Simmer ist seit 2001 Vorsitzender des Vereins "Herborner Heimatspiele e.V.", dem er seit seiner Gründung 1990 angehört. Er ist für die Programmzusammenstellung in der Kulturscheune verantwortlich und seit 1984 aktiver Schauspieler.
 

 

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