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Richtig viel gelernt haben die Besucher der Kulturscheune („KuSch“) bei Komiker Robert Treutel alias Bodo Bach. Der "Kölner Hesse" begeisterte bei seinem Herborn-Gastspiel.

Er hat wieder viel Lehrreiches in sein neues Programm einfließen lassen, beispielsweise was „Ei Gude, wie?“ auf „Buddhistisch“ heißt. Oder wie das Kühlschranklicht den Weg zur Glückseligkeit zeigen kann. Ach ja, reichlich zu lachen gab es natürlich auch.

Denn das humorvoll überspitzte Erzählen lebensnaher Begebenheiten, die nur dem alltäglichen Wahnsinn entspringen können, ist sein Markenzeichen. „Auf der Überholspur“ heißt das neue Programm, das Bodo Bach in der ausverkauften Kulturscheune vorstellte, und die Zuschauer erlebten während der knapp zweistündigen Show, wie sich großartige Pointen ein rasantes Wettrennen lieferten. Die Fahrt begann beim Sinnieren über Intelligenz und dort endete sie am Schluss auch wieder. „Ich hab den Idiotentest bestanden – jetzt bin ich offiziell ein Idiot“, so das Fazit des Hessen. Bis er dort ankam, durfte das Publikum mit ihm zahlreiche wohlplatzierte Angriffe auf die Lachmuskeln erleben.

Älterwerden war dabei der rote Faden, der sich durch das gesamte Programm zog, unaufhaltsam, im Höchsttempo, auf der Überholspur. Im Mittelalter sei die Lebenserwartung noch weitaus geringer gewesen, mit 40 war meistens Schluss, so Bach. „Das waren super Zeiten für die Rentenversicherung, aber schlechte für das ZDF“.

Doch die Zeiten ändern sich: „Im Seniorenheim kommen bald nicht mehr die Kinder zu Besuch, sondern die Eltern.“ Wirklich alt ist aber erst der, der beginnt, mit dem Bus zu verreisen. Im „Rentnerbomber“, begleitet vom „Egerländer Ohrensausen“ nach Graal-Müritz, „wer damit anfängt, hat ´s langsam hinter sich“, war sich Bach sicher.

Vom Hotel in diesem beschaulichen Badeort ging es deshalb im Comedy-Programm gleich weiter zum Sport. Auf den Halb-Italiener, der den Halbmarathon liebt, folgte Wolfram der tanzbegeisterte Geschlechtsverräter, der im vorauseilenden Gehorsam seine Holde („den alten Koffer“) übers Parkett schiebt. Der nach eigener Auskunft wenig tanzbegeisterte Bach demonstrierte dabei in einer Art „Balu-der-Bär-Gedächtnis-Samba“ doch recht elegant, wie es aussieht, wenn der Wolfram über den Tanzboden fegt.

Höchstnoten waren ihm sicher, als er im Anschluss dann noch eine Kür beim Eiskunstlauf nicht nur verbal sehr gekonnt imitierte. Vom Sport, über den Fernsehkauf zur Midlife-Crisis, die Besucher hatten über den einen Gag noch nicht ausgelacht, da ließ Bach schon den nächsten vom Stapel, und das Publikum konnte gar nicht anders als sich über Begriffe wie „Kopfherbst“ oder Feststellungen wie „Männer sind wie Käse, die werden alt und stinken“, schlapp zu lachen.

Ein insgesamt gut ausbalanciertes Programm, bei dem Robert Treutel alias Bodo Bach es wieder einmal schaffte, die Spannung nicht abflachen zu lassen. Auch seinem einstigen Steckenpferd, dem Erzeugen von gewollten Missverständnissen mittels sprachlicher Doppeldeutigkeiten, ist er treu geblieben. Seine Pointen von humorvoll über anzüglich bis hin zum Bissigen sind stets bestens platziert, changieren bisweilen am Rand des guten Geschmacks, fallen aber nie ins Bodenlose.

Und wie bereits eingangs erwähnt: Bei Bodo Bach kann der Zuschauer etwas lernen, beispielsweise was Haartransplantationen mit Intimfrisuren zu tun haben, was passiert, wenn der Körper nuschelt, oder die wirklich praktische Anleitung, wie sich mittels des Fachverkäufer-Alarm-Knopfs im Elektronik-Großmarkt ein Verkäufer herbeizaubern lässt.

„Auf der Überholspur“, das wurde am Abend deutlich, ist deshalb eigentlich ein Fitnessprogramm, bei dem der Zuschauer nicht nur seinen geistigen Humor-Horizont, sondern auch seine körperliche Fitness durch intensives Lachmuskeltraining erweitern kann.

 

 

 

 

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

 

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