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Udo Lindenberg, Edo Zanki, Herwig Mitteregger und Ben Becker, markieren den Verlauf ihrer langen Karriere, der Ulla Meinecke jetzt erstmals auch nach Herborn führte.

Ulla Meinecke, in Wallau an der Lahn aufgewachsen und in Berlin lebend, präsentierte sich auf der Kusch-Bühne im unschuldigen weiß als sinnliche Sünderin, die von einem aufs innigste gelebten Leben singt, das für sie längst noch nicht reif genug ist, um ein Resümee zu ziehen.

Eingerahmt von den zwei brillant aufspielenden Multiinstrumentalisten Ingo York und Reinmar Henschke, mit denen sie die aktuelle Ulla-Meinecke-Band bildet, gibt sich die Sängerin ihrem Musikprogramm hin, das nicht von vergangenen Tagen und verblasstem Ruhm zehrt, sondern ganz im Hier und Heute steht. Auch wenn sie über die Endstation Sehnsucht, der Liebe auf den letzten Blick singt, blickt sie nicht wehmütig zurück.

Ihre Stimme hat noch viel Saft und Kraft, ihre Lyrik ist mehr Hoch-Prosa, denn Gebrauchs-Poesie. Ihre knapp 150 Zuhörerinnen und Zuhörer, die größtenteils mit ihrer Musik groß und älter geworden sind, begegnen der Sängerin und Performerin mit anfänglicher Reserviertheit. Man hat in Sachen Pop, Rock und Chanson lange nichts mehr von ihr gehört.

"Ich geh den Weg, der mir gefällt", haucht sie mit angerauter Stimme ins Mikrofon, und man ist mit ihr eins, dass die Gedanken absolut frei sind. Ob mit swingendem Beat, rockigem Drive oder poppig-flockigem Chanson-Esprit - die Meinecke versteht es, der Liebe und dem Leben mehr als nur eine sentimentale oder gar trotzige Note zu entlocken. Ihre Abschiedslieder sind stets der Beginn von neuen, aufregenden Begegnungen.

Ulla Meinecke, die zwar behauptet, sie sei zu alt fürs Showgeschäft, muss sich dennoch keine Gedanken machen, nichts mehr zu reißen. Bei ihren flotten Songs für "alte Leute", finden nicht nur zwei sich immer noch Liebende zueinander, sondern das Herborner Publikum und eine ohne Posertum auf der Bühne stehende Künstlerin, die sich im Verlauf des über zweistündigen Konzertes immer näher kommen.

"Wie tief kann man gehen", singt die Frau mit dem großen Herz und dem noch größeren Gespür für das, worauf es im Leben ankommt: Alles vom Leben wollen. Erinnerungsstücke sind viele ihrer Lieder, die wie "Bis ans Ende der Welt" und natürlich "Die Tänzerin", die sie zum Schluss ihrer begierig nach Zugaben rufenden Zuhörerschar gerne spendiert.

Klassiker, alte Songs und neues, bisher noch nicht veröffentlichtes Material bestimmen ihr Programm, zu dem sich auch ihre Versionen von Carly Simons "You`re So Vain", Tom Waits' "Grapefruit Moon" und eine deutschsprachige Version von Joe Jacksons "Is She Really Going Out With Him" gesellen. Man wird von ihrer Lust zu singen angesteckt, ohne dass es zu den üblichen Mitklatsch-Ritualen kommt – so etwas gibt ihre Musik auch nicht unbedingt her.

Unter Vermeidung modischen Schnickschnacks trumpfen die Multiinstrumentalisten und Arrangeure Ingo York und Reinmar Henschke einen handgemachten – und bei der "Tänzerin" mit einem Kassettenrecorder verstärkten – Sound auf, der wahrhaft opulent ist, so als würden Jim Hendrix und die Stones mit John McLaughlin und Chick Corea mal eben so über die Bühne der Kulturscheune huschen.

"Musikalisch war ich nie glücklicher. York und Henschke, mit denen ich seit über zehn Jahren spiele, lassen keine Wünsche offen", so Ulla Meinecke. Man hat's gehört. Man hat's gespürt.

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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