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Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Theat(er)leben in Herborn" in der Aula der Hohen Schule hielt Vorsitzender Jörg Michael Simmer eine Rede, die wir hier dokumentieren. Die Fotos stammen von Sabine Rühl und Gert Fabritius.

Liebe (Gründungs-)Mitglieder! Liebe Gäste aus Politik und Wirtschaft! Liebe Neugierige! „Theater(leben) in Herborn“ – das hat eine lange Tradition. Für uns konkret fassbar ist sie seit den Aufführungen der „Barbara“ aus Anlass der 700. Wiederkehr der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1951. Speziell seit diesem Datum haben die Bühnengeschichten in unserer kleinen Stadt einen festen Platz gefunden. Zunächst im Rahmen der Volksbühne mit 12 Produktionen zwischen 1952 und 1959, danach dann unter der langjährig erfolgreichen Regie des Verkehrsvereins. 1960 bis 1989 gab es ebenfalls zwölf Stücke zu bestaunen.

Waren es in der Volksbühne bis auf zwei Ausnahmen (Johannes Irlen, 1954 und Silcherlied 1957) ausschließlich zeitgenössisch-moderne Stücke, die aufgeführt wurden, drehte sich das in der Ägide des Verkehrsvereins. Hier standen ganz klar die Schwahn-Stücke im Rahmen der Trilogie „Die kleine Stadt“ im Mittelpunkt. Lediglich das Oscar-Wilde-Stück „Bunbury“ (1967) unterbrach die Schwahn-Stücke „Barbara“, Die Pest bzw. Tod und Leben, Die Freiheit sowie Das edle Haus. Stand bei der Volksbühne mit Hermann Bernd ein einziger Regisseur für sämtliche Produktionen, so waren es in der Verkehrsvereinszeit mit Robert Rauhofer, Hans-Jürgen Sturm, Christel Jopp, Erich Zehner sowie dem ersten Duo mit Bernd Winnemann und Adelheid Simmer gleich mehrere.

Letztere übernahmen 1989 das Kommando – und es sollte nicht nur politisch gesehen (man denke an die deutsche Einheit) ein einschneidendes Jahr werden. Auch für die Herborner Theaterliebhaber deuteten sich Veränderungen an, reifte doch im Zuge der „Barbara“ 1989 die Erkenntnis bei vielen der beteiligten Spieler, dass es Zeit für einen Neuanfang war – diesmal aber selbstbestimmt und unter eigener Regie. Die Vorbereitungen dauerten einige Monate, ehe es am 26. November 1990 in der Alten Schmiede am Pertuisplatz zu einer denkwürdigen Gründungsversammlung kommen sollte. Aus den Reihen des Verkehrsvereins und der Familie Schmidt-Schwahn hieß es zunächst in Richtung der kommenden Vereinsgründer nur: „Warum?“ Nach langen Diskussionen, deren emotionale Ausrichtung durchaus denkwürdig war, die wir aber heute aus der Rückschau getrost entspannt betrachten wollen, kam es an diesem Abend trotz allem zur Gründung des Vereins.

25 Menschen unterzeichneten die Gründungsurkunde einer Gruppierung, von der die Menschen in und um Herborn herum in den nächsten Jahren noch einiges hören sollten. Es waren 12 Frauen und 13 Männer. Zwei davon, nämlich Gerlind Brehm und Renate Ihrig, sind in der Zwischenzeit leider verstorben. Vier haben den Verein aus unterschiedlichen Gründen verlassen. Drei der Gründungsmitglieder sind inzwischen völlig zurecht unsere Ehrenmitglieder – Irmgard Zeh, Günter Hardt und Adelheid Simmer. Irmgard und Günter waren beide bis 2001 im Vorstand aktiv, sowie auch – im Falle unseres schauspielerischen Urgesteins Irmgard – auf der Bühne. Günter hat nicht nur lange Jahre ein Messer im Koffer bei Vorstandssitzungen dabei gehabt, sondern auch Maßstäbe gesetzt, in dem er einst sogar seinen Kassenstuhl als Zusatzplatz verkaufte und als Inspizient die Schauspieler – bei den langen Wegen rund um die Hohe Schule - so zeitig losschickte, dass wir uns unterwegs bequem noch ein Eis hätten holen können. Irmgard hat das Theaterspiel in Herborn seit über fünf Jahrzehnten mitgeprägt und ist auch heute noch – nächste Woche geht’s wieder mit dem Brötchenschmieren fürs Weihnachtsstück los – als guter Geist hinter den Kulissen gefragt. Und Adelheid ist als unermüdlicher KuSch-Motor, als Gewandmeisterin, Chef-Bettlerin und ganz nebenbei ebenfalls als Schauspielerin nach wie vor in vielem für diesen Verein unverzichtbar. Wohl dem Verein, der solche Ehrenmitglieder sein eigen nennt. Und dann gibt es ja auch noch einen Ehrenvorsitzenden, der seinerzeit mit dem entsprechenden Mut vorangegangen ist und den „losen Haufen Schauspielwütiger“ in die Eigenständigkeit geführt hat. Elf Jahre lang stand Bernd Winnemann an der Spitze und ist ebenfalls auch heute noch, speziell in Sachen Kulissenbau, ein wichtiger Faktor für das funktionierende Vereinsleben.

Ach übrigens, dann gibt es noch ein einziges Mitglied, das seit 25 Jahren nonstop offiziell im Vorstand vertreten ist – raten Sie mal, wer das ist?! Es steht vor Ihnen, soviel Zeit musste mal sein…

Zurück zur Gründung und zur Frage, wie sollte es weitergehen? Die Kuh vom Eis brachte wenige Tage nach der Gründungsversammlung Metzgermeister Georg Lehr bei einem „Krisengipfel“ auf dem Dollenberg. „Der Verkehrsverein ist doch für alle Vereine da, also sollte er auch diesen neuen Verein unterstützen.“ Sprach’s und sorgte mit seinem Pragmatismus dafür, dass perspektivisch aus einem kritischen Beäugen ein konstruktives Miteinander wurde und vor allem kurzfristig die Aufführung von „Tod und Leben“ 1991 gesichert waren.

Herborn, die neunziger Jahre: Unter der Führung von Bernd Winnemann und Adelheid Simmer etabliert sich der Verein, wird ein kulturelles Markenzeichen der Stadt und gewinnt immer mehr Zulauf. Aufgeführt werden vornehmlich die Stücke des Heimatdichters Walter Schwahn, dem sich der Verein auch kraft Satzung verschrieben hat. In der Vorweihnachtszeit gibt es seit 1992 ein Kinderstück (beginnend mit dem „Lebkuchenmann“) und im Herbst probiert man sich bei Vortragsabenden aus.

Dabei bleiben die Herborner Heimatspieler Frischluftfanatiker. Sie lieben Aufführungen unter freiem Himmel, sei es im Schlosshof oder bei der „Barbara“ 2001 auf dem Kornmarkt. Doch der Verein hat ein Problem: Er ist heimatlos! Der jährliche Kampf um Aufführungs- und Probenräume kostet Zeit und Nerven.

Nachdem man Anfang 2002 noch das Angebot des Gesangvereins „Liederkranz“ zum gemeinsamen Erwerb einer Immobilie in der Littau abgelehnt hat (aus heutiger Sicht sicher zum Glück), nimmt die Erfolgsgeschichte der KuSch im September 2002 Fahrt auf, als man erstmals an das Gelände in der Au denkt. Nach einem ersten Begutachten am 3. Oktober 2002 sind wir infiziert. Zahlreiche Vorstandssitzungen, Kostenschätzungen, Finanzierungspläne und ziemlich genau zwei Jahre später ist es vollbracht: Die Kulturscheune Herborn öffnet am 24. September 2004 ihre Pforten.

13 Jahre und zehn Monate nach seiner Gründung tritt der Verein in ein neues Zeitalter sein, der ihn gründlich verändern soll. Die Mitgliederzahl explodiert von einstmals konstanten 90 Köpfen auf heute rund 520. Im Mittelpunkt des Vereinslebens steht das Haus in der Au, das uns Heimat, Bühne, Einnahmequelle und finanzielle Last zugleich ist. Denn 300000 Euro Kredit müssen ja auch irgendwie wieder zurückfließen. Ein wirtschaftlicher Druck ist also da, aber zugleich auch eine große Chance. Erstmals ist es dem Verein überhaupt möglich, das zu tun, was speziell unser Ehrenmitglied Günter Hardt immer wieder angemahnt hatte: eigenen Theaternachwuchs auszubilden. Seit 2006 gibt es Jugendarbeit, seit 2007 erste Produktionen. In drei bis vier Gruppen geht es um die Bretter und Stücke, die manchmal die Welt bedeuten. Und es hat all das zur Folge, was Jugendarbeit auch bedeuten kann: Es kostet ob manchmal riiiiiiiesengroßer Kleinigkeiten, die zu Problemen werden können, viel Energie, gibt aber letztlich auch enorm viel zurück. Das Ganze führt natürlich auch zu einer Explosion der gezeigten Stücke. Man erinnere sich an meine Eingangsworte? Die Volksbühne zeigte in sieben Jahren immerhin zwölf Stücke. Beim Verkehrsverein waren es ebenfalls zwölf Produktionen, aber in 29 Jahren. Die Herborner Heimatspiele e.V. können in nunmehr 25 Jahren auf stolze 67 abendfüllende Produktionen zurückschauen. 22 sogenannte Sommerstücke, 23 Vorweihnachtsproduktionen und 22 Jugendstücke. Nicht mitgerechnet Einakter, Szenen oder auch Außer-Haus-Gastspiele wie das Glenn-Miller-Projekt 2013 oder unser Krimidinner 2014. Wahrlich also eine stolze Gemeinschaftsleistung!

Und das ist das perfekte Stichwort: Gemeinschaft im Verein – das ist ein essentieller Bestandteil des Miteinanders. Man könnte es auch Teamarbeit nennen – und das wichtigste dabei: Sie funktioniert ehrenamtlich.

Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich nach wie vor gerne und mit ganzer Kraft für dieses Projekt arbeite, da es unheimlich viel von der Energie, die man hinein steckt, durch zufriedene Zuschauer, Künstler und Gäste auch wieder zurück gibt. Ich denke, dabei kann ich für alle der hier handelnden Personen sprechen – seien es die ehrenamtlichen Mitarbeiter aus den Bereichen Veranstaltungstechnik, Catering, Schauspieler, Regie, Bühnenbild, Kostüme, Maske, Kusch-Management, Beirat und nicht zuletzt dem Vereinsvorstand. Allen gilt an dieser Stelle mein Dank für das bislang Geleistete und für das, was da hoffentlich noch kommt. Vor allem aber dem Vorstand, der in zweieinhalb Jahrzehnten einerseits eine hohe personelle Kontinuität aufweist, andererseits aber auch neue Gesichter integrieren konnte, sage ich an dieser Stelle gerne nochmals Dank. Auch dafür, dass bei kleineren und größeren Visionen zumindest MEISTENS nicht sofort nach der Machbarkeit gefragt wird, sondern die Visionen erstmals Chancen haben, sich zu entwickeln, ehe dann doch die eine oder andere zu Grabe getragen werden muss…..

Ich danke den (politischen) Gremien auf städtischer, kreislicher, Landes und europäischer Ebene für die Unterstützung und „tatkräftige“ Aufmunterung, die Sie uns in den vergangenen Jahren immer wieder haben zukommen lassen. Ich danke unseren treuen Anzeigenkunden, die uns zum Teil schon 25 Jahre lang begleiten sowie den Sponsoren und Spendern, ohne die wir ganz sicher nicht da wären, wo wir heute sind.

Ich danke unseren befreundeten Vereinen und Institutionen, mit denen wir kooperieren und wünsche mir, dass diejenigen, die mit uns bislang noch nichts anzufangen wissen, diese Meinung noch ändern können.

Nicht zuletzt danke ich unseren treuen, aber auch den vielen neuen Besuchern unserer Eigenproduktionen, aber auch bei den Veranstaltungen mit externen Künstlern. Ohne Publikum bliebe auch die schönste Bühne leer.

Abschließend geht mein spezieller Dank, diese Ausstellung betreffend, an Irmgard Zeh für viele Informationen aus der guten alten Zeit, an Christiane und Mike Krüger, Karin und Manfred Becker sowie Adelheid Simmer für die Vorbereitung. An meine Stellvertreterin Conny Glade-Wolter für die zeitintensive Koordination dieses Projekts. An Sabine Rühl, die es geschafft hat, in einer 72 minütigen Präsentation Fotos aus ALLEN (ich betone, aus ALLEN) seit 1951 in Herborn gespielten Theaterstücken auftauchen zu lassen. Sowie besonders an Holger Heix, in dessen Händen die gestalterische Umsetzung dieser Ausstellung bestens aufgehoben war.

Abschließend möchte ich mit einem Zitat enden, und zwar mit dem eines aktiven Mitglieds, das heute leider nicht da sein kann. Ich habe ihn gefragt, ob ich ihn zitieren darf, und Lukas Winkler hat ja gesagt:

„Die Geschichte dieses Vereins ist gleichzeitig die Erfolgsgeschichte der "Kulturscheune Herborn" die deutschlandweit ihresgleichen sucht. Seit 12 Jahren ist der Verein aber auch Teil meines Lebens und meiner "Geschichte". Ich bin dankbar für all die Jahre, die mir dieser Verein die Möglichkeit gegeben hat, meinem Schauspiel-Hobby nachzugehen, was mich wie keine andere Sache in meinem Leben geprägt hat. Ich bin dankbar für alle Freund- und Bekanntschaften, die sich in der Vergangenheit entwickelt haben. Ich bin dankbar für alle geselligen Abende, Tage und (manchmal auch) Nächte in unserer KuSch.

Aber vor allem bin ich stolz und fühle mich geehrt, Teil dieses Vereins und dieser Geschichte zu sein und freue mich auf die kommenden 25 Jahre Kultur und Schauspiel!“

Besser kann man das, was ein Verein, in diesem Fall unser Verein, ausmachen kann, nicht zusammenfassen. Danke für die Aufmerksamkeit und viel Spaß beim „Theater(leben“ in Herborn!“

 

 

 
Autor
Jörg Michael Simmer

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Jörg Michael Simmer ist seit 2001 Vorsitzender des Vereins "Herborner Heimatspiele e.V.", dem er seit seiner Gründung 1990 angehört. Er ist für die Programmzusammenstellung in der Kulturscheune verantwortlich und seit 1984 aktiver Schauspieler.
 

 

 

 

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